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JL

Canterbury J Class

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Üblicherweise schreibe ich einen Baubericht erst, nachdem der Bau begonnen hat. Hier werde ich es etwas anders machen und euch mehr oder weniger auf dem Laufenden halten – obwohl das dann natürlich eine deutlich längere Geschichte werden wird (so wie ich mein Bautempo einschätze).

Nun denn, los geht's mit den grundsätzlichen Überlegungen. Nach einigen Stunden Segeln (die Teilnehmer vom Usertreffen kennen das schon) mit mehr oder weniger regattatauglichen Booten wollte ich gern für das nächste Modell eins haben, das

  • Vorbildähnlicher aussieht
  • Transportfreundlich ist (also Länge um 1m, Gewicht <10 kg, Masthöhe max 1,5 m)
  • In einem weiten Windbereich einsetzbar ist, ohne dass immer Mast und Segel zu wechseln sind
  • Langkieler (wegen dieser manchmal störenden Wasserbotanik)
  • Flautenschieber wäre auch nicht schlecht
  • Und natürlich halbwegs gut segeln soll es auch

An und für sich wäre mit der Anforderungsliste eine Atlantis (ehemaliges robbe-Modell) das Objekt der Begierde, aber das ist ein ziemlicher Brocken (jedenfalls ist mir noch kein Eigner begegnet, der fröhlich pfeifend mit einer Hand sein Modell ins Wasser setzt). Aber wofür gibt's moderne Recherche-Möglichkeiten?

Nun, nach einigen Stunden Recherche, verteilt auf mehrere Tage, und dem Besuch diverser Webseiten wie der J Class Association und einer sehenswerten Replika, dem Schooner Atlantic (der kann mit dem nötigen Kleingeld auch gern gechartert werden), war mir klar, so etwas soll es werden. Die Online-Bibliothek von Delftship wurde ebenfalls bemüht auf der Suche nach passenden Rissen für den Nachbau. Etwas Passendes für den Modellbau war nicht darunter, denn leider so gut diese Boote auch aussehen, als Modell ist ein maßstabgerechter Nachbau eher schlecht zum Segeln zu bringen bzw. braucht dann unschöne Ergänzungen wie ein zusätzliches Kielschwert etc. An der Stelle wollte ich das Projekt schon fast beerdigen oder zumindest auf später verschieben, als ich in einem Beitrag von Chris DA recht zufällig auf einen Link zu einer Seite auf der Insel jenseits des Ärmelkanals aufmerksam wurde (inzwischen war ich für das Stichwort "J class hulls" ausreichend sensibilisiert). Dort wurden für das RC Segeln modifizierte, aber an der J Class angelehnte Modelle und auch Bausätze angeboten. Preislich nicht ganz fürs schmale Budget angesiedelt (der Wechselkurs schafft da schwarze Gedanken, aber mit Brexit wird's auch nicht besser werden), aber fragen kann man ja mal. Also habe ich an den Betreiber der Webseite eine Mail aufgesetzt und ihn gefragt, ob diese Modelle wohl zu meinen Wunschvorstellungen passen könnten.

Dann habe ich lange nichts mehr gehört. Nun, dachte ich, die Webseite ist auch schon seit 2015 nicht mehr aktualisiert worden und vielleicht hat der gute Mensch den Vertrieb aus welchen Gründen auch immer in der Zwischenzeit aufgegeben. Aber die Bilder der verschiedenen Modelle waren so vielversprechend, dass mir das dann doch etwas gegen den Strich ging, jetzt aufzugeben. Auf der o.g. Seite war auch ein Link zu den Canterbury class rules in Neuseeland zu finden. Also mal kurz dahin gewechselt, von den Regeln kam ich dann auch schnell auf die eigentliche Seite der CJCOA (Canterbury J Class Owners Association) und konnte dort unter vielem anderen auch lesen, dass Rumpf und Kielgewicht, konform zu den Klassenregeln, von der Vereinigung erworben werden können. Der Preis war auch nicht schlecht, insbesondere unter Berücksichtigung des Verhältnisses von derzeit ca. 0,5€ zu 1 NZ$), so dass ich mir dachte, fragen kann ich ja mal, ob die guten Leute auch auf die andere Seite des Planeten liefern.

Nun, lange Rede kuzer Sinn, es entspann sich eine interessante Konversation mit dem Präsidenten der CJCOA (Leon Blewett), der die Idee, einen Rumpf nach good old Germany zu liefern, offenbar doch so interessant fand, dass er sich um die nicht unerhebliche Frage, wie soll das denn gehen, eingehend kümmerte. Innerhalb einer Woche waren alle offenen Fragen geklärt wie welches Verpackungsmaterial darf denn in die EU hineinkommen (anders herum gelten wieder andere Regeln); ich lernte z.B. dass Sperrholz eine ISPM-14 Klassifikation braucht und noch so ein paar Dinge zur Vermeidung von unerwünschten Begleiterscheinungen bei einer transkontinentalen Lieferkette. Am Ende war es dann aber ganz einfach, Leon hat bei einem VW-Händler gebrauchtes Verpackungsmaterial bekommen, das wir dann nach Deutschland zurückgeschickt haben. Ja, nicht ganz, der Rumpf war auch noch drin:

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Abbildung 1: Der Rumpf in der Box

Die Versandkosten sind natürlich nicht ohne, aber der Wechselkurs ist mein Freund, so dass sich das ganze Unterfangen immer noch in erträglichem Rahmen bewegt. Das Paket ist jetzt unterwegs...

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Abbildung 2: Und los geht's mit der neuseeländischen Post

...und wird natürlich sehnsüchtig erwartet.

Und in der Zwischenzeit hat sich auch der Betreiber der englischen Webseite gemeldet. Er ist noch im Geschäft, hatte aber IT-Probleme mit dem Empfang meiner Nachricht. Aber da war die Bestellung nach Neuseeland schon 'raus, so dass ich ihm leider eine Absage schreiben musste.

Anmerkungen / Kommentare /Verbesserungsvorschläge / Kritik bitte hier

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In der Zeit bis zur Ankunft des Pakets habe ich mich schon einmal mit etwas Theorie beschäftigt. Dabei hilft mir das Buch "RC-Segelmodelle" von B. Dvorak & B. Reimann. Da ja meine Intention ist, ein anderes als das Standard-Rigg zu verwenden, habe ich zunächst einmal eine Zeichnung des sog. A-Riggs (einer von insgesamt drei Segelsätzen) erstellt.

Die Daten dazu sind in den Klassenregeln zu finden:

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Abbildung 3: A-Rigg

Im Buch ist gut beschrieben, wie man davon zum Segelschwerpunkt kommt, die Details schenke ich mir daher.

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Abbildung 4: Der Segelschwerpunkt

Damit läßt sich das Verhältnis zwischen Segel- und Lateralschwerpunkt bestimmen, aber da die Klassenregeln sich dazu ausschweigen, muss ich jetzt warten, bis der Rumpf da ist und ich den Lateralschwerpunkt mit der Quer-durchs-Wasser-Schiebemethode ermitteln kann.

Fragen, Anregungen, Kommentare, Kritik bitte hier

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Nach 13 Tagen ist das Paket aus Neuseeland bei mir heil gelandet, aufgrund der soliden Verpackung (übrigens recycling at it's best: War ein Karton von VW mit Autoteilen, kam aus Deutschland und ist wieder zurück in Deutschland; nur der Inhalt hat sich geändert).

Und was war drin? Der Rumpf natürlich.

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Abbildung 5: Rumpfschale, Seitenansicht

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Abbildung 7: Rumpfschale, Innenansicht

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Abbildung 7: Rumpfschale, Innenansicht

Die Schale wiegt 692 g, ist wie zu sehen ist, mit weiß eingefärbtem (Polyester-)Harz laminiert und ist auf der Außenseite fehlerfrei, also ohne Luftblasen etc.
Kielgewicht mit 3730 g und Trimmgewicht mit 563 g waren ebenfalls dabei.

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Abbildung 8: Kielgewichte

Das ganze Ensemble bringt also zusammen knapp 5 kg auf die Waage, somit sind bei dem von den Klasseregeln vorgegebenen Mindestgewicht von 6,5 kg mit A-Rigg noch wenigstens 1,5 kg mit den Ausbauten und der Technik zu füllen.
Eine obere Gewichtsgrenze habe ich in den Regeln nicht gefunden; es ist aber leicht einzusehen, dass man es mit den wetieren Einbauten gewichtsmäßig nicht übertreiben sollte, da sich sonst das Verhältnis Boot zu Ballast ungünstig entwickelt. Bei Einhalten dieses Mindestgewichts beträgt der Ballastanteil ca. 66%. Im Buch wird für ein gutes Segelverhalten ein Ballastanteil von mindestens 60% gefordert, also sieht das erst einmal recht gut aus.

Fragen, Anregungen, Kommentare, Kritik bitte hier

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Da Grundberührungen sich nicht immer vermeiden lassen und ich eine Kombination aus Spachtelmasse auf Blei auch nicht gerade für sehr widerstandsfähig erachte, bekam der Kiel an seiner Vorderseite ein halbrundes und am Boden ein flaches Messingprofil aufgeklebt.

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Abbildung 9: Kiel mit Schutz

In den hinteren Teil des Kiels kamen zwei M4-Gewindebohrungen in die zwei Schrauben eingeklebt sind, deren Kopf zuvor etwas abgeflacht wurde und in die ein M2-Gewinde geschnitten ist. Da wird dann später das untere Ruderlager angeschraubt.

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Abbildung 10: Befestigung für Ruderlager

Fragen, Anregungen, Kommentare, Kritik bitte hier

 

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Zur Ermittlung des Lateralpunkts muss das Unterwasserschiff natürlich komplett sein, soll heißen dass als nächstes das Ruder zu fertigen ist.
In den Klassenreglen findet sich das Standardruder als Zeichnung:

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Abbildung 11: Standard-Ruder

In der Literatur wird fürs Ruder ein symmetrisches Profil, z.B NACA0010, empfohlen; die Daten dazu sind hier zu finden. Da die Vorderkante des Ruder ja nicht direkt angeströmt wird, sondern in der Verlängerung des Kiel liegt, habe ich mich für das NACA0012 entschieden, das im vorderen Bereich dicker ausgeführt ist.

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Abbildung 12: Symmetrische Profile fürs Ruder

Nachdem die Zeichnung im richtigen Winkel gekippt ist, kann das gewählte Profil, symmetrisch angepasst auf die maximale Länge des Ruders am gewählten Punkt eingezeichnet werden. Dabei muss natürlich für das spätere 3D-Zeichnen die Zeichenebene um 90° geändert werden. Das ist in der 2D-Sicht so nicht zu sehen; das dunkelgelb gezeichnete Profil ist die Anpassung für diese Stelle, die schwarze Linie in der Mitte ist die um 90° gekippte Zeichnung des Profils.

RuderGeneigt.jpg.366d17153477dc3481427c9af778f7ef.jpg

Abbildung 13: Ruder, geneigt und fertig für 3D-Modellierung

In der 3D-Perspektive ist das besser zu sehen. Um jetzt die Fläche zu erzeugen, muss als Abshluss am oberen und unteren Ende des Ruders ein der Länge angepasstes Profil eingezeichnet werden, oben natürlich entsprechend geneigt.
Mit der Fläche allein kann man noch nichts anfangen, das soll ja im Endeffekt ein Körper werden. Dazu wird die Fläche an einem Körper getrimmt, damit ist dann die Steuerbordseite fertig. Nun, noch nicht ganz, Platz für die Ruderachse muss auch geschaffen werden. d. h. im Körper wird entlang eines Sweep-Profils die Achse gezeichnet und vom Körper selbst subtrahiert.

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Abbildung 14: Ruderhälfte Steuerbord

Das schreibt sich jetzt schneller als es tatsächlich gedauert hat, bis das Ergebnis so aussah wie gewünscht, aber man wächst ja bekanntlich an seinen Aufgaben. Außerdem holt man die Zeit spätestens wieder auf, wenn das Ruder doch noch angepasst werden soll.

Als Lohn der Mühe darf jetzt nach dem Slicen des Körpers der Drucker sein Werk tun. Für die zweite Hälfte muss man den Körper natürlich noch spiegeln, damit's zusammen passt. Verschwiegen werden soll aber auch nicht, dass beide Hälften noch Nacharbeit in Form von Spachteln erfordern, um die zwangsläufig beim Druck entstehenden Schichtkanten zu egalisieren. Aber für die eingangs erwähnte Ermittlung des Lateralpunktes tut es auch das Ruder in der aus dem Drucker kommenden Form.

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Abbildung 15: Die Ruderhälfte in Arbeit

Wer sich für weitere Details des Zeichnens und der Umsetzung bis 3D interessiert, dem sei das hier rezenzierte Buch ans Herz gelegt.

Fragen, Anregungen, Kommentare, Kritik bitte hier

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