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Schiffsmodell.net

Anfängerfrage: Ausbessern von Beize auf geklebten Holzteilen


KSanta

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Hallo zusammen,

zwischen den Jahren habe ich Lust bekommen, ein Modellschiff aus Holz zu bauen. Um herauszufinden ob mir der Modellbau Spaß macht, habe ich mir erstmal ein kleines Set zugelegt: Die Santa Maria von Mini Mamoli. Ich muss sagen, soweit macht es sehr viel Spaß...

Ich folgte so gut es ging der Anleitung und habe mir Anfangs wenig Gedanken über die Farbe des Schiffsrumpfes gemacht. Die Farbe des Schiffs auf der Packung gefiel mir jedoch sehr gut, deshalb wollte ich es dabei belassen (dunkle Eiche mit Unterwasseranstrich in weiß).

Zu spät wurde mir klar, dass man den natürlichen dunklen Holzfarbton sehr gut mit brauner Beize hinbekommt, diese aber eigentlich vor dem Zusammenbau angebracht werden muss (die Anleitung sagte dazu leider auch nichts). Trotzdem entschied ich mich dazu den Rumpf im Nachhinein zu beizen mit folgendem Ergebnis:

IMG-1472.jpg

Habe nun leider das bekannte Problem mit den sichtbaren Klebstellen am Rumpf des Schiffes (der Unterwasserteil wird noch weiß überstrichen daher ist das Hauptproblem der Schiffsbug).

Es ist schon in Ordnung, stört mich aber ein wenig. Hat vielleicht jemand eine Idee wie man diese Stellen noch verbessern kann? Gibt es vielleicht einen Lack etc. mit dem man das ganze überstreichen kann und einen ähnlich natürlichen Look hinbekommt?

Gruß,

der Einsteiger :)

 

 

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Hallo KSanta,

bei meinem ersten Holzmodell, dem Pilotboat "Swift" von Artesana Latina, hatte ich auch noch keine Kenntnis vom Beizen. Und dass man vor dem Kleben Beizen muss, erfuhr ich wiederum noch später.

Ich glaube, dass es bei dem bekannten Problem sicher auch auf den verwendeten Kleber / Leim ankommt. Am schwierigsten stelle ich mir das bei Weißleim vor. Eigene Erfahrung dazu habe ich leider keine bzw. zum Glück nicht. Ich würde aber versuchen, an einer unauffälligen Stelle mit einem Minischleifer und aufgesetzter Messing- oder Stahldrahtbürste den Bereich um die Klebestelle etwas aufzurauhen und testen, ob im Anschluss daran Beize angenommen wird.

Gruß
Bernhard

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Wie Bernhard schon sagte, da hilft nur schleifen. Der überschüssige Kleber muss weg, dann klappt das auch mit der Beize.

Wenn ich mir das Bild so ansehe, ist das doch gar nicht mal so übel. Sieht gebraucht aus.

Jetzt zu der Farbe, kleiner historischer Exkurs. Die Schiffe seinerzeit hatten in aller Regel keinen Unterwasseranstrich. Wenn überhaupt, dann schwarz (Teer). Hintergrund ist der Schiffsbohrwurm, seinerzeit noch unbekannt, der hat auch der Kolumbusflotte zugesetzt. Die Santa Maria war nicht mehr seetüchtig und wurde abgewrackt. Aus ihrem Material ist die erste Siedlung in Amerika gebaut worden. Das Unterwasserschiff der Santa zu streichen wäre also schlicht falsch. Viel eher müsste es noch deutlich "gammeliger" aussehen. OK, macht man eher selten, wäre aber korrekt.  

Farbe kam erst ein gutes  Jahrhundert später ins Spiel und das auch nur bei den großen "staatstragenden" Schiffen, man denke an die Santissima Madre, Sovereign of the Seas, Wasa oder Solei Royale. Farbe war damals noch unglaublich teuer, ein Luxusgut. Die Flotte des Kolumbus ist dafür also zu alt und auch zu unbedeutend. Die 3 Schiffe wurden ja erst durch die Entdeckung Amerikas bekannt, bis dahin waren es Pötte die man entbehren konnte und niemand hätte denen eine Träne nachgeweint wenn die Sache anders verlaufen wäre.  Heute kennt jedes Kind die Namen Santa Maria, Nina und Pinta. 

Edited by San Felipe
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Ich bin zwar nicht SanFelipe, aber die Frage interessierte mich auch. Eine Antwort findet sich hier, aber natürlich ist das auch vom Vorbild und Fahrgewässer abhängig, so dass es wohl keine eindeutige Antwort gibt.

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vor 26 Minuten schrieb Ralph Cornell:

Ab wann kam eigentlich der Usus auf, das Unterwasserschiff mit dünnen Kupferplatten zu bedecken

Tja, gute Frage, nächste Frage. So genau ist das nicht mehr zu beantworten. Auf jeden Fall aber noch deutlich später als Kolumbus. Ganz grob kann man wohl sagen, das es um 1750 herum begann. Bei einigen Schiffen wurde es gemacht, bei anderen nicht. Warum, ich kann es nicht sagen. Einsatzgebiet, Kosten..... ? Ich hatte mal versucht heraus zu finden ob eines der bekanntesten Schiffe überhaupt, die Victory, so beschlagen war oder nicht. Ja, sie war es, es fragt sich nur ab wann. Gebaut wurde sie jedenfalls noch ohne Kupferbeplankung. Bei Trafalgar war sie ja schon ein Oldtimer, dennoch konnte ich nicht klären ob sie da schon Kupfer hatte. Generell kann man sagen, je später das Baujahr, je höher die Wahrscheinlich einer Kupferbeplankung. Die USS Constitution ,1797,  hatte jedenfalls schon Kupfer. Im 19. Jahrhundert war diese Vorgehensweise dann schon ganz normal. Die letzten Segel-Linienschiffe, wie auch die noch später gebauten Clipper, waren nahezu alle so beplankt. Es dauert aber nicht mehr lange, dann wurden Schiffe ganz aus Eisen gebaut. 

So eine Kupferbeplankung sieht auf jeden Fall unglaublich geil aus (zumindest im Neuzustand), ist aber leider auch mit unglaublich viel Fummelei verbunden. 

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Hallo Miteinander,

lese gerade im Buch über die Bounty (John McKay, Delius Klasing):

" ... Die erste Ändeung war, das Schiff mit Kupfer zu beschlagen. Die BETHIA (spätere BOUNTY*) war bei ihrer Beschaffung gegen den Wurmfraß mit Holz verkleidet. Obwohl eine sehr alte Methode, war diese nicht sehr wirkungsvoll. Sie bestand darin, das Unterwasserschiff mit einer Mischung aus Pferdehaar und Teer zu streichen und darüber Holzplanken zu nageln. Um 1778 war es die Praxis, alle Navyschiffe mit Kupfer zu beschlagen. Hierbei ist bemerkenswert, dass die Vorzüge der Kupferverkleidung zuerst bei den aus der Südsee zurückkehrenden Schiffen erkannt wurden ..."

Im Umkehrschluss kann wohl angenommen werden, dass die Kupferverkleidung bei normalen Handelsschiffen oder bei in kühleren Breitegraden eingesetzten Schiffen wegen des hohen Materialpreises oft eingespart wurde.

* persönlicher Hinweis

Edited by BernhardK
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  • 2 months later...

Auch wenn etwas spät, will ich mich nochmals für eure Antworten und die historischen Hintergrundinformationen bedanken.

Habe es jetzt so im "gebrauchten" Look belassen. Bin gerade noch dran das Schiff fertigzustellen. Wenn gewünscht kann ich das Ergebnis dann nochmal hier posten!

Grüße!

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Ralph Cornell

Nochmals zurück zum Beizen und der Problematik, die Beize auch unter etwaige Klebestellen zu bekommen...

Klar, es ist besser, vor dem Kleben zu beizen. Aber wenn man etwas angefangenes in die Hände bekommt? Oder es vorher noch nicht wusste?

Der Erfolg des Beizens hängt sehr von der Eindringtiefe der Beize ab. Je tiefer, desto besser. Und in dieser Beziehung habe ich gute Erfahrungen mit Spiritusbeize gemacht, Die Farbpartikel kriechen teilweise sogar unter Klebestellen, wenn diese nicht zu breit sind.

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Ich bin inzwischen von der ganzen Beizerei nicht mehr so begeistert. Klar: Wenn man was aus irgendwelchem Sperrholz hat, das "auf anderes Holz" gemacht werden muss, geht es halt nicht anders. Meiner Meinung nach stößt man aber auch beim Beizen _vor_ dem Zusammenkleben auf Probleme: _Nach_ dem Zusammenkleben der gebeizten Teile wollen die Klebestellen ja noch geschliffen werden - und da schleift man die Beize wieder ab. Also dann noch mal nacharbeiten mit Beize.... Perfekt gleichmäßig ist das zumindest bei mir nie geworden. Inzwischen versuche ich vorwiegend, gleich Holz der Farbe zu verwenden, die das später haben soll. Sieht viel echter aus.... 

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Ralph Cornell

@BernhardB Ich sagte ja schon, die Färbung des Holzes hängt sehr von der Eindringtiefe der Beize ab, und da habe ich mit Spiritusbeize gute Erfahrungen gemacht. Auch wenn man das getrocknete Teil überschleift, ist das Farbpigment so tief im Holz drin, daß man die gefärbte Schicht nicht wieder wegschleift. Mit wasserlöslichen Beizen ist das anders, das stimmt.

Bei einem meiner Restaurationsprojekte bin ich dann auch den von Dir beschriebenen Weg gegangen - Mahagoni-Furnier auf Sperrholz geklebt. Geht auch, und mit der Maserung sieht das besser aus.

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