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Laternen für Modellschiffe in Eigenbau, für 5 mm LED's

Heute ist Martinstag. Da werden die ersten Gänse geschlachtet (bin gerade dabei, meine Gänsekeule zu verdauen!), und die Kinder ziehen mit ihren Lampions durch die Straßen und singen: "Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne..."

Ich nehme diesen sehr passenden Tag zum Anlass, euch über eine spezielle Bauaktivität zu unterrichten:

Ich bin ja gerade dabei, eine recht alte "Bermpohl" zu restaurieren und technisch aufzupimpen (Neue Brushless-Motoren, usw.). Der Vorbesitzer hatte jedenfalls beim Thema Lichtausrüstung schwer geschlampt, bzw. die diversen Lampen gar nicht erst funktionsfähig gemacht.

Mindestens die Navigationsbeleuchtung soll ich funktionsfähig machen. Aber die dazu notwendigen Lampen waren nicht dabei. Und wenn man so die Kataloge der einschlägigen Verkäufer durchblättert, findet man nur: Entweder historische Schiffslaternen, oder die üblichen vernickelten Stücke mit diesen blödsinnigen Mini-Glühlämpchen. Klar kriegt man da auch 3 mm-LED's rein - aber das ganze hat mich so geärgert, daß ich mir aus lauter Wut selbst Laternen für 5 mm LED's gemacht habe. Wie ich dabei vorgegangen bin, soll dieser Baubericht aufzeigen.

Man braucht dazu:

Eine Drehbank. Selbst eine kleine Unimat reicht dazu.

Eine Galvanik-Ausrüstung. Da gibt es diverse Firmen: Hersteller von Heimgalvanik-Sets

Messingrohr, Durchmesser 6 x 0,5 und 7 x 0,5

Klammern für Warensendungen mit rundem Kopf

Metallpoliermittel.

Eine Handbohrmaschine mit Drahtbürste (Stahl)

Wattestäbchen

ein Satz Nadelfeilen

5 mm LED's, möglichst hell, farbig oder weiß

Gleich geht's weiter...

Edited by Ralph Cornell
Ergänzung

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Wir beginnen mit den Arbeiten auf der Drehbank. Von dem 7 mm-Rohr stechen wir uns zwei Ringe ab, mit einer Breite von 2 mm. Und vom 6 mm Rohr stechen wir uns ein 8 mm langes Stück ab.

DSCN0618.thumb.JPG.4361f57771cd958304c708bb14ddaa98.JPGDSCN0617.thumb.JPG.44139a7beda4e26d1feff9481b49d3e8.JPGn

Nachdem wir die Rohrstücke entgratet haben, kommen sie auf die Werkbank. Die 2 mm-Teile werden nun unter Beigabe von Löthonig auf das 6 mm-Rohrstück geschoben. Und nun drauf mit dem Lötkolben! Keine Angst davor, daß Lötzinn auch anderswohin gerät. Das Zeug kommt nachher sowieso weg. Aber die Rohrstücken müssen sicher sitzen!

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Nun greifen wir uns aus dem Satz Nadelfeilen eine Vierkantfeile. Zwischen dem oberen und unteren Ring feilen wir nun munter in das Mittelstück hinein. Dazu müssen wir das Rohr natürlich in einen Schraubstock spannen. Wir feilen so weit und so tief hinein, wie nachher der Abstrahlwinkel der Laterne sein soll.

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Fortsetzung folgt...

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Wenn der Ausschnitt für die Lichtabstrahlung groß genug ist, werden die Kanten sauber entgratet. Auch hierzu bedienen wir und des Nadelfeilensatzes - für die inneren Rundungen eben die Halbrundfeile.

Nun folgt ein wichtiger Arbeitsschritt: Das überschüssige Lötzinn auf den Seiten der Laterne muss weg! Zu dem Behufe spannen wir die Mini-Drahtbürste in die Bohrmaschine und bürsten damit das Lötzinn weg. Keine Angst, das Messing ist viel härter als das Lötzinn; und wo das Lötzinn verschwindet, wird als Dreingabe das Messing schön blank.

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Aber vorsicht! Unter dieser Beanspruchung "haart" die Drahtbürste schlimmer als ein Pudel im Frühling, wenn er sein Winterfell los wird! Brillenträger genießen hier einen unfairen Vorteil - die Normalsichtigen müssen sich mit einer Schutzbrille behelfen. Und man sollte sich nicht täuschen: Die Drahtstückchen kommen mit einer Wucht angeflogen, die ausreicht, sich in die Haut zu bohren - geschweige denn in ein ungeschütztes Auge.

Nun kommt der Deckel auf die Laterne. Von der Klammer entfernen  wir durch Hin- und Herbiegen die Laschen, die sonst durch die Ösen der Wertbrieftasche geschoben werden.

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Und nun löten wir diesen Deckel auf die Seite der Laterne, die oben sein soll. Damit die schon verlöteten äußeren Rohrstücken sich dabei nicht unerlaubt vom inneren Rohr verabschieden, benutzen wir eine 3. Hand, um sie zu fixieren. Und da die wenigsten von uns Mutanten sein dürften, muß ein mechanisches Äquivalent herhalten.

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Löthonig auf die Deckelfläche der Laterne und auf den unteren Rand, und dann Lötkolben und Lötzinn drauf! Auch hier müssen wir damit rechnen, daß Lötzinn auf die Ränder gerät - nun ja, die Drahtbürste ist ja noch eingespannt, nicht?DSCN0625.thumb.JPG.adbda6bfdd87ccde414f1aac514065be.JPG

So in etwa sieht das Ergebnis aus.

 

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Nun folgt ein immens wichtiger Arbeitsschritt: Wir spannen die Lantichte in die Drehbank. Mit Metallputzmittel, den Wattestäbchen und einem weichen Lappen polieren wir die Laterne spiegelblank, und zwar von innen und außen. Das ist für die nächste Arbeit die Voraussetzung: Für das Galvanisieren. Außerdem erkennen wir durch das Polieren Stellen, wo noch Reste von Lötzinn sind. Und die müssen weg, denn in Lötzinn "versinkt" der galvanische Metallüberzug.

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Außerdem: Je glatter die Grundfläche ist, um so besser wird nachher die galvanische Beschichtung.

Nach dem Polieren wird das Stück mit warmem Wasser abgewaschen und abgetrocknet. Wir sollten es auch jetzt nicht mehr mit bloßen Fingern berühren - die Fette unserer Haut würden das Galvanisieren erschweren oder sogar unmöglich machen. Aber wozu gibt es Pinzetten?

Ich habe mir zum Galvanisieren ein ganz einfaches Bad gebaut: Einfach eine Schale, in der vorher eine Quarkzubereitung war. Am Boden befindet sich der positive Pol; in meinem Fall eine Platte aus Edelstahl. Noch besser wäre ein Stück Nickelblech, aber man kann ja nicht alles haben. Der negative Pol ist einfach ein Stückchen Klingeldraht, der in meiner dritten Hand steckt. Über dem positiven Ende ist eine Platte aus Rollglas aus dem Baumarkt, die ich mit vielen kleinen Löchern versehen habe. Sie dient nur dazu, das zu galvanisierende Werkstück sicher von der Grundplatte zu trennen.

An dem Klingeldraht biegen wir am Ende, das wir dafür natürlich ein Stückchen abisolieren müssen, einen Haken. Und über den hängen wir nun unsere Laterne.

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Aus dem Galvanisierset nehmen wir Nickelelektrolyt und füllen ihn in die Wanne. Und dann hinein mit der Laterne!

DSCN0626.thumb.JPG.2472939db0f8c059dd4353e23010a270.JPG

Ich benutze zum Galvanisieren ein einstellbares Netzgerät. Die Spannung stelle ich auf 4 - 4,5 Volt ein. Und die Stromstärke? Die Faustregel sagt: Etwa 300 mA pro cm². Soviel in etwa dürfte die Oberfläche der Laterne sein. Aber bei dieser speziellen Anordnung stellte sich die Stromstärke selbst auf 60 mA ein. Wenn man auf 4,5 Volt geht, steigert sich das auf etwa 90 mA. Wenn man zu hohe Ströme benutzt, wird die Oberfläche rauh, und an herausragenden Kanten und Spitzen bilden sich "Bärte".

Wenn man keine Anzeige an seinem Netzgerät hat: Wenn sich um das zu galvanisierende Teil herum feine Bläschen und Schaum bildet, ist der Galvanisierungsprozess im Gange.

Wie lange nun muß man "draufhalten"? Eine halbe Stunde im Bad dürfte reichen, aber wenn man ganz auf Nummero sicher gehen will, lässt man das Teil eine Stunde lang im Bad.

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Tut mir leid, daß es so unscharf ist - meine Kamera schafft wohl den Autofokus nicht so recht... Der schwarze Überzu ist das Nickelzeug - keine Sorge. Wenn wir das Ding noch einmal in die Drehbank spannen und mit den Wattestäbchen und dem weichen Lappen polieren, wird es ganz blank. Keinesfalls schlechter als die Dinger aus den Katalogen.

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Nun könnten wir schon mal die LED hineinschieben. Leider haben diese LED's oft einen Kragen, der in diesem Fall stört. Also spannen wir die LED in die Drehbank und entfernen den Kragen. Das kann durch vorsichtiges Abdrehen erfolgen oder durch den Einsatz einer der Nadelfeilen.

Und nun können wir die LED mühelos in die Laterne schieben. Um die Seitenabstrahlung zu verbessern sollte man die Linse auf der oberen Rundung wegschleifen - oder so vorgehen, wie es JL bei seinen Versuchen mit LED's gemacht hat: Sehr vorsichtig die LED anbohren, am besten mit einem Senker. Der entstandene Trichter wird poliert und bekommt eine Einlage aus Chromglanz-Lack, die die Lichtstrahlen waagerecht weg reflektiert.

Und... Das Ergebnis kann man sehen - und es kann sich sehen lassen!

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Nachmachen!

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Tut mir leid, daß einige Bilder so unscharf sind. Scheinbar kommt meine Kamera bei weißem Untergrund nicht mit dem Autofocus klar. Auf den kleinen Bildern auf dem hinteren Display war das nicht recht zu sehen. Und als ich die Bilder bearbeiten wollte, damit sie in den Editor passen, habe ich es erst gemerkt. Ich habe mir fast die Plautze vor Ärger verrenkt, aber da waren die Arbeiten schon abgeschlossen. Was sollte ich machen...?

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Moin, 

 

kleinen Tip für scharfe Fotos. Bei einer Kamera (kein Handy) hat der Auslöser zwei Rastpunkte.
Der Erste misst und stellt scharf und wenn man dann durchdrückt, kommt das Vögelchen.

Wenn nun der scharf zu stellende Punkt nicht in der Bildmitte liegt, dann visiert man den Punkt an, drückt den Auslöser eben nur zur ersten Raste und hält ihn dort.
Dann schwenkt man die Kamera zu dem Bildausschnitt, den man haben will und drückt den Auslöser dann erst durch.

Gruß

Thomas

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Einfach eine normale Kamera nehmen und auf Macro stellen dann klappt es auch mit den Nahaufnahmen.

Ich habe auch eine Steinalte mit 2,1 mio Pic reicht vollkommen.

 

Zu den Lampen klasse idee und umsetzung.

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Sieht echt toll aus die Laterne!

Ich hab auf diese Weise schon einige Teile veredelt, die im Original aus Edelstahl sind, das hat auch täuschend echt ausgesehen.

Nickel-Elektroden (also reines Nickelblech) gibts übrigens beim Conrad und kostet gar nicht die Welt. Das hat den Vorteil, dass du die Elektrolytlösung im Prinzip ewig verwenden kannst, weil der Nickelgehalt ständig wieder aufgefüllt wird. Ansonsten habe ichs eigentlich ganz genauso gemacht: Einfach die Spannung am Netzgerät so lange aufgedreht, bis sich ordentlich Bläschen um das Werkstück gebildet haben und dann das ganze eine Weile hängen lassen. Hat eigentlich immer wunderbar funktioniert.

Eine Sache ist mir noch zur Metallpolierpaste aufgefallen. Ich hatte eine, die einen leichten Wachsfilm auf dem Objekt hinterlassen hat, damit es nicht so schnell wieder anläuft (War so zumindest die Werbeaussage). Das ist natürlich zum Polieren des Messingwerkstücks völlig ungeeignet, weil diese Wachsschicht das Galvanisieren unmöglich macht. Mit Spiritus hat sich das Zeug aber rückstandsfrei entfernen lassen.

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Ich verwende die Metallpoliturpaste von Nigrin. Es scheint mir, als ob das Zeugs wasserlöslich ist. Aber Du hast natürlich recht, Schifferlfahrer: Wenn Wachsbestandteile enthalten sind, muß das Wachs weg, damit es mit dem Galvanisieren klappt.

Die abgebrochenen Laschen von den Klammern habe ich übrigens behalten. Die Dinger scheinen aus dünnem Stahlblech zu sein, feuervermessingt. Wer weiß, wozu man solche Blechstreifchen gebrauchen kann... Und sei es, wie auf dem Bild, um einen Taster festzuklemmen!

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@Ralph Cornell

Moin, 

na da hast du dir aber ne ganze schöne Arbeit gemacht...aber mit tollem Ergebnis. 

Klasse dass du das so detailliert beschrieben hast...Nachahmungs gefährdet :mrgreen:

Aber sag mal.....wieviel dieser Lampen musst du denn für die AB machen,  frage weil

ich da auch eine in der Vorbereitung habe 

 

 

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Erst mal drei Stück: Topplicht, Dampferlicht und Hecklicht. Dem verkauften Gaul lagen zwei vernickelte Laternen mit Begrenzungsbord für die Seitenlichter bei, wo die 5 mm LED's schon von Hause aus hineinpassen. Gott sei Dank!

Aber welcher Gaul der Hirnlosigkeit die Hersteller geritten hat, die Abstrahlöffnungen dieser Laternen so zu drehen, daß sie nur zur Seite strahlen, wird mir ewig unerfindlich bleiben. Zum Glück habe ich ein winziges, 2 mm breites Kreissägeblatt, mit dem ich die Abstrahlöffnungen auf die erforderlichen Grade auffräsen konnte.

Das unterstützt meine Meinung über sogenannte professionelle Hersteller: Die Leute haben von dem Zeug, das sie herstellen, selbst keine Ahnung. Und dabei kommt dann solcher Blödsinn raus.

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