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Das Stevenrohr - das unbekannte Wesen


Ralph Cornell

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Ralph Cornell

Hallo, Gemeinde!

Jeder von uns, egal ob Anfänger oder Edelbastler hat schon seine Erfahrungen mit Stevenrohren und Schraubenwellen gemacht. Es ist ein Thema, das immer wieder hochkommt, und darum möchte ich hier einen Thread aufmachen, in dem das geballte Wissen und Eure Erfahrungen Platz finden sollen.

Gehen wir gleich in Medaias Res! Die einfachste Form des Stevenrohrs ist zweifellos das simple Messingrohr, das mit Fett gefüllt wird und in dem eine Edelstahlwelle läuft. Und da fangen die Probleme auch schon an. Welches Fett?

Ich habe das jetzt schon allzu oft erlebt: Man füllt Fett in das Rohr, schiebt die Welle ein... Und hat nach relativ kurzer Zeit einen Ring von Spritzern rund um die Mündung im Rumpf. Was ist geschehen?

Das Fett hat sich verwandelt. Aus dem Fett und dem eindringenden Wasser ist eine recht dünnflüssige Emulsion entstanden, die vom Wasserdruck aus der Mündung gedrückt wird.

So soll es nicht sein. Aber was statt dessen?

Eine Lösung wäre zweifellos ein Fett, das nicht diesem Vorgang unterliegt. Hier fallen mir zwei Möglichkeiten ein: Als Abdichtung Mittel zu verwenden, die sich auf keinen Fall mit Wasser vergesellschaften. Als solche fallen mir ein: Siliconfett oder Vaseline.

Einer der Kollegen hat sehr richtig geschrieben, daß wir nach der strengen Konstruktionsphilosophie vor zwei getrennten Problemen stehen: Abdichtung und Lagerung. Hinzu kommt in einigen Fällen das Problem, daß fertig gekaufte Stevenrohre einen zu großen Durchmesser haben oder merkwürdige Außenmaße.

Eigenbau? Warum nicht. Aber wir sollten uns darüber im Klaren sein, daß die Sache einen gewissen konstruktiver und fertigungstechnischen Aufwand erfordert.

In vielen Posts wird das magische Wort Teflon beschworen. Aber Teflon hat einige sehr merkwürdige Eigenschaften. Bei den Dimensionen, von denen wir hier reden (Durchmesser 6 mm oder kleiner) bleibt zwischen der Stevenrohrwandung und der Welle nicht viel "Fleisch" stehen - wenn es hoch kommt, 1 mm auf jeder Seite. Und unter diesen Umständen ist Teflon teuflisch elastisch. Nehmen wir an, wir haben uns auf der Drehbank eine Teflon-Buchse gedreht, die stramm in das Rohr hineinpasst. So weit, so schlecht - denn dadurch hat sich auch der Lagersitz zwischen Buchse und Welle verändert. Uns wird nichts anderes übrig bleiben, als das komplette Stevenrohr in die Drehbank zu spannen und die Bohrung vorsichtig aufzureiben. Hierbei ist auf Kühlung zu achten, denn Teflon ist ein Thermoplast - d.h. ein Kunststoff, der durch Hitze zu fließen beginnt. Das unangenehme an Teflon ist nämlich, daß sich dank der Elastizität des Stoffes lokal ziemliche Wärme entwickelt, genug jedenfalls, um das Teflon zum Fließen zu bringen - so daß sich die Schneiden der Reibahle nicht mehr in das Material eingraben, sondern ein Pfropfen vor sich herschieben.

Übrigens entwickelt schmelzendes oder sogar brennendes Teflon giftige Dämpfe: Phosgengas.

Eine andere Möglichkeit der Lagerung wären Sinterbuchsen. In der Hohlräumen dieses Materials speichert sich genug Schmiermittel, um den Leichtlauf zu gewährleisten. Ich wäre euch jedenfalls zu Dank verpflichtet, wenn ihr in euren Antwortposts Bezugquellen für solche Dinger einstellt.

Was nun mit den Dingern anfangen? Einige sprechen da von Einpressen, aber dabei kann das Rohr selbst einen Schlag bekommen. Ich habe gute Erfahrungen mit Loctite "Fügen Nabe/Welle" gemacht. Wenn die Klebung und das Spaltmaß stimmen, bekommt man das nur mit brutaler Hitze wieder auseinander.

Der zweite konstruktive Punkt ist die Abdichtung. Zweifellos ist es möglich, als Lagerung Kugellager zu verwenden, die auch gleich abdichten. Aber meist ist der Außendurchmesser solcher Lager um einiges größer als der des Stevenrohrs. Wir sind also gezwungen, uns Köcher anzufertigen, die solche Lager aufnehmen können. Ob für solche Köcher genug Platz im Rumpf ist, ist noch die Frage...

Und Köcher brauchen wir auch für die Zweite Methode der Abdichtung: Lippdichtungen aus Gummi. Die dichten eigendlich recht zuverlässig - aber sie sollten niemals ohne ausreichende Schmierung verwendet werden. Besitzer von Querstrahlrudern können da ein langes Klagelied davon singen.

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Es wäre schön, wenn ihr eure eigenen Erfahrungen hier als Antworten anhängt...

Edited by Ralph Cornell
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Ich finde das sehr sinnvoll, dieses Thema hier zu eröffnen.

Allerdings kann ich den ganzen Hype dazu nicht immer nachvollziehen.

Ich habe einen Springer mit zwei ganz einfachen Wellen, Messing mit verchromter Stahlwelle in 4 mm, dazu wasserfestes, salzwasserbeständiges Fett. Die Wellen laufen jetzt seit 7-8 Jahren, mittlerweile mit bis zu 18.000 U/min. Absolut dicht und noch nie ein Problem damit gehabt. Nachgefettet höchstens!!! 3 mal. Gegen Fettspritzer im Boot habe einfach einen Stellring vor dem Wellenausgang auf die Welle geschraubt. Da kommt gar nichts mehr raus.

Daher wundere ich mich meist über die teilweise sehr komplizierten Methoden von anderen.

Ach ja, die Welle liegt voll unter Wasser.

 

Gruß,

Detlef

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Hallo Ralph,
sehr nützlich hier einen Fred aufzumachen - Danke :that:

Na dann fangen wir mal an mit ein paar Tipps:
- Fett: ich benutze da für dünne Wellen gerne das Gear Flon (hier: https://www.gear-flon.de/Produkte/), dünn aufgetragen, dann spritzt das nicht in der Gegend rum. Bei grüsseren Wellen und für zB Ruderkokker (mit Kugellager), also effektiv zum Füllen des Rohres bin ich von Uwes Fett überzeugt (hier: https://www.bauer-modelle.com/epages/Bauer_Uwe46269592.sf/de_DE/?ObjectPath=/Shops/Bauer_Uwe46269592/Products/4.5190.10)

-Lager bzw Sinterbuchsen: Findeste eigentlich einfach wenn Du nach Bundbuchse bei Tante G nachfragst. Spezielleres gibt es auch bei Uwe (hier: https://www.bauer-modelle.com/epages/Bauer_Uwe46269592.sf/de_DE/?ObjectID=57289555&ViewAction=FacetedSearchProducts&SearchString=lager) oder bei Oli (hier: https://www.hydromarine.de/Wellenanlagen-Antriebe-Spannzangen/Ersatzteile-fuer-starre-Wellenanlagen:::6_50.html) da findet man auch Köcher für Kugellager, Dichtringe usw usf

Erste Gedanken, bin mir sicher, da gibt es noch mehr zu sagen :)

Gruss

Chris

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