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BernhardB

FreeCad Tutorial - Modellkonstruktion

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Na, dann mal los:

 

Nehmen wir doch gleich als Beispiel den Segler-Entwurf, den ich als erstes gezeigt habe. Das Original findet Ihr unter dem Namen "Missle" bei http://www.svensons.com/boat/ - eine großartige Quelle von Original-Booten. Es ist 19 Fuss lang und ich will ein 1:20-Semiscale-Modell - also Footy-Größe.

 

Erst mal als "Vorwarnung": Die Software ist immer noch Beta. Sie stürzt zwar nicht mehr so oft ab wie vor 2-3 Jahren, aber es empfiehlt sich immer noch, recht oft abzuspeichern.

 

Fangen wir mit der mit der leeren Oberfläche an, so oder so ähnlich sollte sie nach Anlegen eines neuen Modells (File->new) aussehen:

17944041549_8d9095c9fe_c.jpg

 

 

Unter (1) stellt Ihr die Workbench ein, mit der Ihr gerade arbeiten wollt - in diesem Fall PartDesign. Eine Workbench bündelt die Werkzeuge, die man für verschiedene Zwecke braucht - je nach Workbench erscheinen verschiedene Werkzeugleisten und Menues. Wir benötigen hauptsächlich folgende Workbenches:

 

  •  
  • Part-Design: Entwurf von 2D-Teilen anhand von "Sketches", die dann in 3D-Teile übergeführt werden können. Wir werden das später im Detail sehen.
  • Draft: Ebenfalls Entwurf von 2D-Teilen, aber anhand anderer Technik. Auch hier wird's Beispiele geben
  • Part: Operationen mit 3D-Teilen: Boolsche Operationen wie Vereinigen von Teilen, Spiegeln von Teilen, aber auch: 2D-Teile aus den vorherigen Workbenchs zu 3D-Teilen kombinieren
  • Drawing: Am Ende zum Ausdrucken der Spanten-Vorlagen auf dem Drucker braucht man doch die 3D-Körper wieder auf einem Plan. Dazu dient dieses Modul
  • Mesh: Das braucht man hauptsächlich dann, wenn es um 3D-Druck geht. Die 3D-Drucker wollen hauptsächlich Gitter-Netze, das lässt sich damit machen - lasse ich in diesem Mini-Tutorial aus...

Unter (2) könnt Ihr einstellen, was Ihr in der 3D-Ansicht seht: Ein Druck auf die Würfel dreht das Modell so, dass Ihr von der markierten Seite des Würfels aufs Modell schaut. Der Knopf mit dem Lupen Symbol sorgt dafür, dass Ihr so weit raus- oder rein zoomt, dass alles auf den Bildschirm passt. Das Koordinatenkreuz 3 zeigt an, von welcher Seite man grad drauf schaut.

 

Im Bereich (4) seht Ihr die Struktur Eures CAD-Entwurfs: Jedes Element, das Ihr einfügt, gliedert sich hier ein. In diesem Fall: Noch nichts...

Im Bereich (5) könnt Ihr die Eigenschaften eines ausgewählten Objekts ändern - welche das sind, hängt vom Objekt ab. Die Koordinaten des Objekts sind aber fast immer dabei. 

 

(6), (7), (8) und (9) sind schliesslich die wichtigsten Schaltflächen der "PartDesign" - Workbench und stehen nur da zur Verfügung: (6) dient zum Anlegen eines neuen Sketches, (7) zum Anwenden eines Sketches auf eine bestehende Oberfläche, (8) zum "Extruden" eines Sketchs (also aus der 2D-Form einen 3D-Körper machen) und 9 sind die Werkzeuge, mit denen man den Sketch konstruiert - wir werden das gleich an einem Beispiel machen. 

Edited by JL
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Jetzt müssen wir uns erst mal Gedanken machen, wie das Modell konstruiert werden soll:

Es wird festgelegt:

  • X-Achse zeigt von vorn nach hinten, beim Bug ist X=0mm
  • Y-Achse von links nach rechts
  • Z-Achse schaut nach oben


Weiter muss eine Bezugslinie gefunden werden. In diesem Fall ist das recht einfach: Die Sheer ist bei dem Boot absolut eben, d. h. ich wähle die Sheer-Oberkante als Z=0-Linie. Jetzt müssen wir uns nur noch einigen, ob in Modell- oder Originalgröße geplant wird - hier gibt es immer wieder heftige Diskussionen, was besser ist. Ich plane grundsätzlich in Modell-Größe und habe damit gute Erfahrung. Ich mag aber niemand hindern, anders vorzugehen....

 

Also, mit diesem Hintergrund wird der erste Sketch erstellt. Es liegt nahe, bei den Spanten anzufangen - und da bei Spant 1:

18128178872_487a759fc9_m.jpg

(Ausschnitt aus dem Bauplan von svensons.com)

 

Beherzt auf den im oberen Screenshot mit (6) markierten Knopf (neuer Sketch) gedrückt, wird man gefragt, in welcher Ebene der Sketch sein soll. Nach obriger Festlegung wählen wir die Y-Z-Ebene (X geht nach hinten). Das Fenster ändert sich und schaut dann so aus:

 17945632630_1df1ab128d_z.jpg

 

(1) ist im 3-dimensionalen Raum die Y-Achse und (2) die Z-Achse. Wir haben den Sketch ja in der Y-Z-Ebene angelegt. Mit den Zeichenwerkzeugen oben kann ich darin zeichnen - hier eine Kontur aus mehreren Linien (Auswählen des Werkzeugs 10 - sorry für die blöde Reihenfolge der Zahlen). Da ich die Sheer als 0-Ebene in der Z-Richtung gewählt habe, stößt der Spant genau an der Y-Achse an. Es genügt, einen halben Spant zu zeichnen, die andere Hälfte wird später durch spiegeln an der X-Z-Ebene hergestellt.

 

Die einzelnen Linien, aus denen der Sketch besteht, zeigen sich im Fenster (3). Im Fenster (4) finden sich die Constraints, die die Form des Sketchs "festnageln". Sie sind auch neben den einzelnen Linien eingezeichnet: Eine senkrechte kleine rote Linie neben einer Linie bedeutet, dass diese senkrecht verankert ist (7). Der Bogen mit Punkt drinnen (6) bedeutet, dass der Punkt, an dem sich das Symbol befindet, an einer durchgehenden Linie verankert ist.

 

Ziel ist es jetzt, dem Sketch jede Freiheit zu nehmen und ihn so festzulegen, dass er eine absolut festgelegte Form hat - wir wollen ja keine "zufälligen" Bauteile, sondern genau festlegen, wie sie aussehen. Bisher sind nur die Constraints drinnen, die das Programm automatisch erkannt hat - wir haben aber noch 6 Freiheitsgrade. Das ist kein Wunder, da wir bisher noch keine einzige Distanz eingegeben haben - wie groß darf denn der Spant sein?

 

Diese Constraints lassen sich mit den Werkzeugen (9) setzen - im nächsten Beitrag!

Edited by BernhardB
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So, der Sketch will bemessen werden:

17513079264_a44c1e0925_c.jpgAnlegen_Sketch2

 

Mit den Werkzeugen (1) können horizontale und vertikale Constraints angelegt werden. Einfach eine Linie oder 2 Punkte auswälen, klicken, Zahl eingeben, fertig. Damit kann der Sketch fast komplett festgelegt werden. Einzige Ausnahme: Es muss dafür gesorgt werden, dass die beiden schrägen Boden-Linien parallel sind. Dazu diese beiden auswählen und einen Parallel-Constraint (Symbol: 2 schräge parallele Linien) drauf geben.

 

Ist der Sketch vollständig bemaßt, schlägt seine Farbe in Grün um und er wird als "fully constrained" (2) angezeigt. Dann sind wir sicher, dass das Teil auch wirklich vollständig durchgeplant ist. Fragt sich nur: Wie kommt man zu den Maßen?

 

Die Spant-Stärke von 5 mm (Seite) und 6 mm (Boden) sind pure Willkür von mir - ich brauche eine gewisse Stärke, damit Platz für Keel, Chine und Sheer da ist. Die restlichen Maße müssen anhand des Original-Plans errechnet werden - und da sind sie in Fuss. Also nach der Formel: Plan-Zahl *25.4/20 (Maßstab 1:20). Diese Formel könnt Ihr praktischerweise einfach in die Python-Konsole eintippen (3). Da mir das auf die Dauer aber zu umständlich wurde, habe ich mir ein kleines Makro geschrieben, das mir erlaubt, ein Maß in Original einzugeben und sofort die Modell-Größe raus rückt (4). Das ist einer der Stärken von FreeCad: Es lässt sich sehr leicht mit solchen Helferlein ausrüsten. Wer das Makro braucht -> PN an mich.

 

Das muss für heute genügen....

Edited by BernhardB
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Korrektur  zum letzten Tröt: Die Maße sind natürlich in Inch, nicht in Fuß! Sonst wird die Schüssel ein bisschen groß......

 

Das Bearbeiten des Sketchs kann jetzt  erst einmal beendet werden: Im linken Fenster den "Close" -Knopf drücken (er ist im ScreenShot oben leider aus dem Fenster gescrollt) oder das entsprechende Symbol in der Werkzeugleiste  ("Viereck mit Pfeil nach oben"), dann landet Ihr wieder in der "Gesamtansicht":

17959844039_7d35808417_c.jpg

 

Dort erscheint der Sketch in der Struktur als "Sketch" (1). Da wir davon sehr viele haben werden, nennen wir ihn erst mal so um, dass wir auch später wissen, wie er heisst: Rechte Maustaste -> Rename-> Als Namen "Spant1S" eingegeben.

 

Dann muss der Sketch noch auf der X-Achse in die richtige Position geschoben werden: Er ist bei 18 Inch = 22.86mm in 1:20 (3).

 

Anschließend kann man diesen Spant zum 3D-Körper machen: Hierzu auf den "Extrude"-Knopf (4) drücken und im aufgehenden Dialog sagen, wie dick das werden soll - ich will 1 mm Sperrholz nehmen, also 1 mm.

 

18147663721_4037e29b93_c.jpg

 

 

In der linken Struktur erscheint der Körper dann als "Pad" - wir haben einen 3-dimensionalen Körper! Ganz wichtig: Das Ganze funktioniert nur, wenn der Sketch wirklich eine geschlossene Kontur ist - das ist bei einem so einfachen Konstrukt noch offensichtlich, wird aber mit Komplexität des Bauteils schwieriger zu sehen. Als erstes wird der "Pad" in einen sinnvollen Namen "Spant1" umbenannt. Das nächste, was zu tun ist, ist die 2. Hälfte des Spants zu ergänzen. Daher wechseln wir in die Workbench "Part" (bisher war es "Part Design") (2) und erhalten neue Werkzeugleisten. Mit dem "Mirror"-Symbol (3) läßt sich der Halbspant spiegeln - im aufgehenden Fenster wählen wir "Spant1" und die X-Z-Ebene. Wie man bei (1) sieht, entsteht eine Abhängigkeits-Hierarchie, die gleich ein wenig Ordnung schafft: Der "Spant1 (Mirror)" hängt von dem Pad "Spant1" ab, welches wiederum vom "Spant1S" abhängt.

 

Um sich das Modell im Raum anzuschauen, kann man das Ganze natürlich mit der Maus drehen (Shift - linke Maustaste), Schieben(Scrollrad drücken und hin und her schieben) und zoomen (Scrollrad). Es gibt aber auch die Knöpfe oben, mit denen man in "Standard-Perspektiven" kommt. So ist der Ausschnitt oben durch Drücken des "Axometric View"-Symbols 4 und danach "Fit all Content" (5) entstanden. 

Edited by BernhardB
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Was jetzt kommt, ist Geschmacksache: Wir brauchen in den Spanten noch die Ausschnitte für Sheer, Chine und Keel. Die kann man:

  • entweder in die Sketche der Spanten einzeichnen
  • Oder man plant die Spanten ohne die Ausschnitte und zieht Chine, Sheer und Keel später von den Spanten ab.

Da zweiteres aber die Struktur des CAD-Modells deutlich verkompliziert, bleibe ich bei Plan A und plane gleich die Ausschnitte ein:

 

17962169848_5592550a38_c.jpg

 

  • Also wieder zurück in die Part-Design-Ansicht (1).
  • Darin erst mal den "Spant1" ausblenden, wir wollen nur den Sketch sehen. Einfach in der Struktur anwählen und die Leertaste drücken. Ein zweites Drücken der Leertaste macht ihn wieder sichtbar.
  • 2* auf "Spant1S" klicken bringt uns zurück in den Sketcher.


 

In dem Screenshot sind die Ausschnitte noch nicht bemaßt - wie das geht habe ich ja schon am Grundmodell erklärt. Im zu den Ausschnitten zu kommen, werden die bisherigen Außenkanten des Spants auf eine Funktion als "Stützlinie" reduziert: Auswählen und mit dem Tool (2) behandeln - sie werden von rosa zu blau und werden so zur Stützlinie.

 

Anschliessend wird die neue Form wieder wie weiter oben gezeigt so angelegt, dass ihre Ecken an den Stützlinien einrasten. FreeCad hat da leider noch ein kleines Problem: Wenn 2 Linien übereinander liegen, kann es sich nicht entscheiden, welche der Linien es anzeigen soll - daher ist es eher Zufall, ob man die neuen Linien sieht oder sie durch die Stützlinien verdeckt werden. Hier hilft es, die Ansicht ein bisschen zu drehen.

 

Von dem abgebildeten Zustand aus ist der Sketch noch fertig zu stellen, indem die Ausschnitte richtig bemaßt werden. In meinem Fall sollen der Ausschnitt für Sheer und Chine 3x2 mm sein, der für den Keel 7,5*3 mm (ich will eine 15mm-Leiste verwenden, aber es ist ja nur die Hälfte gezeichnet)

Edited by BernhardB
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Mich erreichte per PN der Vorschlag, das Ganze auch in den Blog zu übernehmen. Können wir natürlich gerne machen! Ich denke, ich werde immer zuerst hier posten, ein paar Tage "reifen" lassen, damit ich die Typos sehe und auf Rückfragen eingehen kann, und dann den Beitrag in den Blog übernehmen...
 
Zurück zum Thema: Wir haben jetzt einen Spant, brauchen aber derer insgesamt 9 Stück. Das geht erfreulich einfach und schnell von der Hand:
 
18223626411_555161f59c_z.jpg

  • Einfach den bestehenden Sketch duplizieren und umbenennen (1). 
  • Danach ausrechnen, wo er hin soll: Der erste Spant ist bei 22.86 mm, der jetzige ist im Original 24 Inch hinter dem ersten Spant. Maßstab ist immer noch 1:20. Also; 24*25.4/20 + 22.86 (2) 
  • Das ganze dann entsprechend verschieben (39, vernünftig umbenennen und den Sketch danach editieren

18034547668_2c3d0c226e_z.jpg

 

Hier müssen eigentlich nur die 3 Maße 1-3 umgesetzt werden, die sich von Spant zu Spant ändern. Der fertig editierte Sketch ist dann wieder per "Extrude" in einen 3-dimensionalen Körper zu verwandeln und per "Mirror" zu spiegeln. Ist das für alle Spanten gemacht, sieht das Ergebnis grob so aus (Ihr seht, ich habe an Spant 3 schon etwas weiter gespielt, weiss aber noch nicht, ob das so bleibt....):

 

18036161319_ae9c68b255_z.jpg

Edited by BernhardB
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@Moderatoren:

Leider habe ich den ersten Beitrag beim Editieren des Screenshots zerschossen. Könnt Ihr das bitte reparieren? Danke schon mal.

 

Hier der richtige Link:

17944041549_8d9095c9fe_c.jpg

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So, weiter geht es:

Die Spanten sind inzwischen ja gezeichnet, wir brauchen noch den "Stem" an Bug und Heck:

Dazu ist jeweils ein Sketch in Y-Z-Richtung anzulegen. Bekannt ist nach Bauplan der Abstand von der jeweils nächsten Spante und - aus dem Plan der Bauhilfe zu entnehmen - der Höhenunterschied es Kiels zur jeweils nächsten Spante. Da der Kiel ja gebogen ist, habe ich, um die Biegung besser hinzukriegen, auch noch die übernächste Spante mit einbezogen und die Verbindung als Kreissegment formuliert, das durch Bugspitze, Spant1 und Spant2 definiert wird. Das Ergebnis sollte wie folgt aussehen:

 

18660993852_843a339e64_z.jpg

 

Das Ganze kann wieder per "Extrude" in einen festen Körper verwandelt werden. Dieser soll jedoch diesmal symetrisch in der Y-Z-Ebene sein, dann  ersparen wir uns das Spiegeln an dieser Ebene. Also im "Extrude"-Dialog den Haken in "Symetric to plane" machen! 

 

Der Hack-Stem wird analog modelliert.

Edited by BernhardB

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Weiter gleich mit dem Kiel:

 

Um diesen zu definieren, wird bei jeder Spante ein Sketch angelegt, der den Kiel an dieser Stelle repräsentiert:

 

18660994492_5d3ba6a433_z.jpg

 

In einer "idealen" Welt ohne Software-Bugs könnte man die Linien leicht durch "Link with external geometry" (1) an den Spant anhängen, damit könnten einige Bemaßungen weg fallen und der Sketch würde sich mit ändern, wenn die Spanten geändert werden. Leider trat bei mir ein Software-Bug auf, der dazu führte, dass bei einer Änderung an einem Körper der Sketch auf einmal an einem anderen Körper hing - das Programm ist zwar schon sehr stabil, aber solche Bugs gibt es noch. Wahrscheinlich ist er in einer der nächsten Releases gefixt. Solange kopiere ich einfach die Sketches der Spanten, benenne sie um, zeichne die Kiel-Form ein und lösche den Rest.

 

Zusätzlich brauchen wir noch an Bug und Heck einen Sketch als Stützpunkt, der angibt, wo der Kiel rein läuft:

 

Wichtig für den nachfolgenden Schritt ist, die ganzen Sketches gleich vernünftig zu benennen, z.B. KeelS1 -9 für die Sketches an den Spanten und KeelS0 sowie KeelS10 für Bug- und Heck-Sketch 

 

18479527079_a453aa4c72_z.jpg

 

Alle Sketche zusammen sollten dann wie folgt aussehen:

 

18479527569_33c2160b09_c.jpg

 

Im Anschluss kann man mit dem Werkzeug "Loft" (1) die einzelnen Sketches zu einem festen Körper (2) verbinden. Dazu sind sie im bei "Loft" aufgehenden Dialog in der richtigen Reihenfolge auszuwählen (deswegen ist die vernünftige Benennung so wichtig!) und der Haken bei "Create solid" zu setzen. Der entstehende Körper (2) ist dann wieder an der Y-Z-Achse zu spiegeln (3,4). Mit Spanten usw. sollte das Ergebnis dann so aussehen:

 

18665718975_172b471689_c.jpg

Edited by BernhardB

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FreeCad hat nicht nur ein 2-D-Modul, mit dem sich 2-dimensionale Objekte zeichnen lassen, sondern deren 2:

  • Den Sketcher des "PartDesign"- Moduls haben wir schon kennen gelernt und ausführlich besprochen
  • Dazu gibt es noch die "Draft"-Workbench, um diese soll es hier gehen.

Warum 2 verschiedene 2D-Systeme? Jedes hat seine eigenen Stärken und Schwächen. Die Stärken des "Draft"-Module sind:

  • Es können relativ schnell einfache geometrische Formen erzeugt werden
  • Das Draft-Modul kann einige Objekte, die der Sketcher nicht kann, wie z.B. Splines.

Dem steht gegenüber, dass es nicht so ein ausgeklügeltes "Constraint"-System hat, die Bemaßung daher unübersichtlicher und schwieriger ist. Ich verwende das Modul hier, um die Stützpunkte von Chine und Sheer festzulegen - das sind einfache Rechtecke und  dafür ist das Draft-Modul einfacher als der Sketcher. So geht es:
 
18756208086_1eb2d7b775_c.jpg
 
 
Man wähle mit (1) die Draft-Workbench aus. Ziel ist es, die Stützpunkte für die Sheer(2) und für die Chine (3) zu setzen. Wichtig bei der Arbeit mit dem Draft-Modul: Alle Zeichen-Operationen finden auf einer Ebene im 3-D-Raum statt, der "Working Plane". Diese ist auf die Oberfläche des Spants zu setzen, an dem die Stützpunkte eingezeichnet werden: Dazu die Oberfläche des Spants anklicken und unter dem Draft-Menu (6) bis zu Utilities -> Select Working Plane durch hangeln oder einfach "W P" drücken. Danach finden alle Zeichen-Operationen in der Ebene des selektierten Spants statt.
 
Jetzt können mit dem Rechteck-Tool (4) die Stützpunkte für Chine und Sheer eingezeichnet werden: Ist "Einrasten an Geometrien" (7) angeschaltet, so rastet das zu zeichnende Rechteck an der Aussparung im Spant ein und es entsteht exakt das Rechteck an der gewünschten Form. Den Rechtecken ist im Anschluss ein vernünftiger Name zu geben.
 
Die Rechtecke von Chine und Sheer können danach per "Loft" wieder in massive Körper verwandelt werden: In die Part-Workbench (1) wechseln und das Loft-Tool (2) aufrufen.
 
18596340289_ee7a046278_c.jpg
 
Dann in der richtigen Reihenfolge die Rechtecke für Chine oder Sheer aufrufen - spätestens hier merkt man, warum es nützlich ist, den Stützpunkten "vernünftige" Namen zu geben. Vor dem OK noch darauf achten, dass der Haken "Create Solid" gesetzt ist. Ist der Loft sauber generiert, sollte er noch vernünftig umbenannt und an der X-Z-Achse gespiegelt werden. Die Struktur, die dann entsteht, seht Ihr in (3).

Edited by BernhardB
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Da das "Gerüst" steht, können nun Seitenwände und Deck montiert werden. Hier gleich eine Einschränkung: FreeCad kann keine "Abwicklungen", d. h. es ist nicht möglich, die gebogenen Wände wieder zu plätten und damit zu Ausschneid-Vorlagen zu kommen. Hier verwende ich beim Bauen die klassische Methode, die Bordwand erst mal aus Karton auszuschneiden, anzupassen und auf das Holz zu übertragen. Aber die modellierten Wände helfen sehr, erstens einen Eindruck vom späteren Aussehen zu erhalten, und zweitens später die Einbauten zu positionieren (diese werde ich aber in diesem Tutorial nicht mehr behandeln - das geht auch nicht viel anders als das bisher Gezeigte).

 

An jeden Spant werden für Boden und Seitenwand jeweils ein Sketch angelegt. Um ihn mit dem Spant zu koppeln, habe ich diesmal das Verfahren "Link with external geometry" angewandt, siehe Pfeile: Dazu habe ich einen neuen Sketch auf die Oberfläche des Spants gelegt und mit "Link with external geometry" am Boden des Spants 2 Stützpunkte markiert. Der restliche Sketch-Aufbau ist dann trivial:

 

18323928884_2ba6b842a2_c.jpg

 

Die Teile werden dann wie vorher schon bei Chine, Sheer und Keel beschrieben per "Loft" in einen 3-dimensionalen Körper verwandelt. Das Deck ist in 3 Teilen gearbeitet: Vor der Pflicht, die Seiten der Pflicht und hinten. Es besteht aus Kreissegmenten, die auch wieder an der Position der Spanten sind. An Spant 3 und 6 beträgt die Wölbung 3 mm über der Sheer und ist somit festgelegt. Die Wölbung an den restlichen Positionen wurde so festgelegt, dass ein gerader Abfall bis zum Bug bzw. Heck entsteht. Das Ganze wird auch wieder per "Loft" in 3 Körper verwandelt. Das Ergebnis schaut dann so aus (ich habe noch über Property -> Shape Color die Zeile zur besseren Unterscheidung eingefärbt):

 

18949415851_15b8c0d97b_c.jpg

 

Damit ist der grundlegende Schiffskörper durch geplant, im nächsten Teil wird es darum gehen, aus diesem Modell einen für den Modellbau geeigneten ausdruckbaren Plan als Schnittmuster für die Spanten zu machen

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So, der vorläufig letzte Teil, der es allerdings etwas in sich hat. Wir haben jetzt ja ein hübsches 3D-Modell, das lässt sich aber allein aus dem bisherigen Entwurf nicht bauen: Zum Bauen müssen wir eine Helling aufstellen, Spanten aussägen usw.  Daher gehts in diesem Beitrag genau um diese Schritte.

 

Zuerst müssen Helling und Spanten - Füße geplant werden:

 

19026490491_946c390280_c.jpg

 

Die Helling ist nichts anderes als ein Quader. Diese lassen sich in der Part-Workbench (1) direkt mit dem Symbol (2) anlegen. Ich schiebe das Hellingbrett 3 cm vor die Bugspitze und 5 cm über das Modell (3). Ich gebe dem Brett  eine Länge von 35 cm und eine Breite von 10 cm (4). Wieder wird nur die halbe Helling gebaut und später gespiegelt. Die Quader zum Abstützen der Spantenfüße sind analog gebaut. Die Spantenfüße selber werden ganz normal mit Sketchen gezeichnet und anschließend in Spantenstärke extrudiert.

 

Um das Ganze zu bauen, benötigen wir 2-dimensionale  Zeichnungen. Das geht wie folgt:

 

18837227769_ccc5c2ed17_c.jpg

 

Im Drawing-Modul (1) wird durch Drücken auf Symbol (2) eine neue Zeichnung angelegt, dazu wird man nach Auswahl des Templates gefragt. Ich nehme A3-Landscape. Dann sind das abzubildende Teil (4) und die neu angelegte Seite (5) zu markieren und durch Drücken des Symbols (6) das Teil in die Seite als Projektion einzufügen.

 

18835759988_40be8421fc_c.jpg

 

Im aufgehenden Dialog muss unter (1) gewählt werden, von welcher Seite das Ganze betrachtet werden soll - in diesem Fall von der Z-Richtung "von unten". Unter (2) ist einzustellen, dass das Teil wirklich im Maßstab 1:1 eingesetzt wird - voreingestellt ist "auto", d.h. das Teil wird so groß auf den Plan gedruckt, dass es gerade drauf kommt.

 

Genauso wird mit den Spanten verfahren:

 

19023423465_21d4dfe1f3_c.jpg

 

Jeder darzustellender Spant besteht aus 4 Teilen (2 Spanthälften, 2 Stützen), die wie gerade beschrieben aufgenommen werden (1). Dazu kommt noch eine Beschriftung, die mit (2) angelegt werden kann. Die einzelnen Teile der Spanten werden dann als richtig zusammengehörig dargestellt, wenn die X-Position, die Y-Position und die Skalierung identisch sind (3).

 

Damit erkläre ich das Tutorial für erst mal beendet: Wir haben alles, was man braucht, um ein Modell bis zur Baufähigkeit durchzumodellieren. Ich selbst werde das Modell bis in den Herbst weiter ausarbeiten und dann einen gesonderten Baubericht dazu aufmachen.

 

Wer das Ganze nachvollziehen will, kann von mir gerne das FreeCad-File zum Nachvollziehen haben. Ich verteile dieses gerne an Euch unter der Craeative Common BY-SA-CC-Lizenz, die Euch erlaubt, damit alles Nicht-Kommerzielle zumachen, was Ihr wollt, solange sie nur mit der gleichen Copyright-Notiz weiter verteilt wird...

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Dazu sag ich mal ein ganz klares "Jain": Die geschwungenen Oberflächen entstehen ja durch Verbinden von 2-dimensionalen Sketchen. Die kann man natürlich so in den Raum legen, dass die Oberflächen in 2 Richtungen gebogen werden - und sie können auch selbst Biegungen (Kreis-Segmente) beinhalten. Allerdings wird es dann doch komplizierter, die richtige Position der Sketches zu finden und die Mathematik hinter dem Verbinden der Sketches neigt schon "von Hausaus" zum Überschwingen.... da hilft unter Umständen nur heftiges Experimentieren.

Edited by BernhardB

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Noch ein wichtiger Hinweis an alle: Dieses Tutorial gilt für FreeCad Version 0.16. Bei FreeCad 0.17, das derzeit in Entwicklung ist und noch nicht stabil ist, wurde die gesamte Logik, wie Sketches zu platzieren sind und Bauteile aus Sketches zusammen gesetzt werden, extrem überarbeitet. Ich versuche das Tutorial irgendwann einmal, wenn diese Version einen stabilen Stand hat, zu überarbeiten... So lange: Bitte nur mit der 0.16 arbeiten oder nicht wundern, dass das, was in diesem Tutorial steht, bei 0.17 nicht mehr funkt.

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