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Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Scale-Nachbau: Mahagony-Rennboot "Flyer" 135 (Bj. 1936)


Jo_S
15.07.2008, 21:37
Hallo zusammen,

bei der Suche nach einem anspruchsvollen (und gleichzeitig preisgünstigen) Projekt bin ich auf das Mahagony-Hydroplane "Flyer" gestossen, das 1936 von Bruce Crandall konstruiert wurde.

Ich erinnerte mich dunkel, diese äusserst ungewöhnliche kleine Rennzigarre mit ihrem spitzen Heck, den sphärischen Rumpfwölbungen und dem ungewöhnlichen Unterwaserschiff schon mal irgendwo gesehen zu haben. Tatsächlich gibt es drei (Stand-)Modellnachbauten:

1.) ein Standmodell (motorisierbar) von Kiade - teuer und nur sehr grob ans Vorbild angelehnt
(Anm.: Fotos wegen Copyright-Anmahnung zusätzlich mit Links zu den Originalfotos versehen):

http://www.kiade.com/ship-models-GB/ship-models-sailing-ship-models-american_runabouts-006flyer-20.html
http://www.jochen-schwarzer.net/pics/rc/flyer1936/kiade.jpg


2.) ein kleines Standmodell - teurer und in vielen Details ebenfalls ziemlich "Freestyle":

http://www.quirao.com/fr/p/maquette/modele_reduit_bateau/3972/bois_canot_automobile_runabout_flyer_50_cm_runa_10 .htm
http://www.jochen-schwarzer.net/pics/rc/flyer1936/rj.jpg

3.) das immer noch beste Fertigmodell (zum vergleichsweise sehr günstigen Kurs) gibt's vom mittlerweile sattsam bekannten Vietnam-Hersteller Gianhien. Auch nicht 100%, aber besser als die anderen beiden, aber kaum nachträglich auf RC umzubauen:

http://www.gianhien.net/retail/all/flyer.htm
http://www.jochen-schwarzer.net/pics/rc/flyer1936/gianhien.jpg

Moderation von Muehi:
Bilder wegen Urheberrechtsgründen in Textlinks umgewandelt, bitte unsere Forenreglen, Abschnitt 8: Urheberrecht (http://www.schiffsmodell.net/Forenregeln.htm) beachten.


Vor allem das Unterwasserschiff stimmt bei keinem. Das war's also alles nicht. Erstens will ich eine exakte Kopie, zweitens will ich selber bauen, drittens wollen endlich mal die Holzbestände in meiner Werkstatt reduziert werden. ;)
Aber leider gibt's weder einen Baukasten noch einen vernünftigen Plan. Im Web habe ich dann einen australischen Händler gefunden, der rekonstruierte CAD-Pläne vom Original anbietet... aber auch diese stimmen nicht ganz und sind mit 250 Au$ für eine CD alles andere als ein Schnäppchen.

In einer uralten amerikanischen Zeitschrift habe ich dann einen äusserst interessanten Artikel von Willard Crandall gefunden: ein (Original-)Baubericht des "Flyer", mit Nachbauanleitung, Zeichnungen und Spantenrissen. Also erst einmal gescannt, digital entzerrt, hochgerechnet, geschärft... und dann hocherfreut festgestellt, dass die Zeichnungen sehr genau mit den Offsettabellen übereinstimmen.

Das geniale daran: trotz des nicht gerade trivialen Bootsrumpfes (lauter sphärisch gewölbte Flächen) ist die genaue Position jedes einzelnen Punkts auf der Außenhaut über die Offset-Tabellen auf 1/8 inch genau (ca. 3mm im Original) zu rekonstruieren. Für einen 1:6-Nachbau bedeutet das also: 0,5mm Plangenauigkeit... mehr ist selbst bei perfektester Bauweise nicht machbar!

Das war also der Startschuss zu diesem Projekt: ein kompletter Eigenbau (Echtholzrumpf mit doppelter Beplankung) mit selbst erstellten Plänen. Also CAD anschmeissen und tagelang Koordinaten umrechnen und eintragen. Modell-Abmessungen: 770mm Länge, 254mm Breite, max. Tiefgang 33,9mm. Im ersten Schritt entstand erst mal eine exakte 3-Seiten-Ansicht und die Spantenrisse:

http://www.jochen-schwarzer.net/pics/rc/flyer1936/flyer0_1uebersicht.gif

Zur Verdeutlichung nochmal die "nackte" Seitenansicht und das Unterwasserschiff:

http://www.jochen-schwarzer.net/pics/rc/flyer1936/flyer0_2seitenriss.gif

... und der Spantenriss (Außenkontur), oben von hinten (Spanten 7-15), unten von vorn (Spanten 0-6):

http://www.jochen-schwarzer.net/pics/rc/flyer1936/flyer0_3spantenriss.gif

Jetzt stehen für die weitere Planentwicklung ein paar grundsätzliche Entscheidungen an:


Die Außenhaut wird auf jeden Fall doppelt beplankt. Der Spantenabstand beträgt 50,8mm. Die Außenhaut wird aus 0,8mm oder 1,0mm Mahagony bestehen (komplett). Als erste Beplankung erscheint mir eine diagonale Sperrholzschicht an einigen Stellen problematisch (starke Verwindung der Kontur). Angedacht ist: 2 oder 3mm Abachi- bzw. 3mm Balsa-Leisten. Welchen Aufbau würdet ihr vorschlagen?
Motorisierung soll ein 700er-Blechmotor (Speed 700 Neodym oder ähnlich, kein BL!) an 8 Zellen und einem ca. 39er K-Prop sein. Gewicht ist bei dem Boot kein Problem, die Wasserlinie wird erst bei 3,25kg Verdrängung erreicht. Sollten die 8 Zellen nicht reichen, kann man evtl. noch auf 10 oder max.(!) 12 Zellen hoch gehen. Das Original war hoch motorisiert, dementsprechend möchte ich gerne schnell - aber nicht sauschnell!!! - unterwegs sein. Andere Vorschläge zu Motor / Prop (voll getaucht) / Zellen? Gibt es passende Messingprops? Welcher nicht zu teure Regler kommt in Betracht?
Die Motorwelle des Originals ging unter einem Winkel von 10° schnurgerade aus dem Rumpf raus. Ziemlich viel, aber für die damalige Zeit bei vielen Runabouts durchaus üblich. Interessanterweise entspricht die Wellenneigung ziemlich genau dem "Aufschiebwinkel" des Bugs und der beiden "Seitentatzen". Andererseits geht dabei ne Menge Vortrieb verloren. Soll ich das ebenalls 1:1 übernehmen oder würdet ihr per Flexwelle den Winkel "entschärfen"?
Gibts eigentlich gute kugelgelagerte Wellen mit weniger als 10mm Durchmesser? Kenne nur die Robbe- und Graupnerwellen... Gleitlager möchte ich nicht, die kugelgelagerten sind aber irre "dick". Ach ja, wichtige Anmerkung: die Welle wird mit rund 350mm recht lang sein!
Die Runabouts mit ihren flachen Rumpfböden laufen ja bekanntlich wie Rasensprenger. Zusätzlich hat die Flyer das Problem, im hinteren Bereich vergleichsweise sehr wenig Auftrieb zu erzeugen. Vorbildwidrige "Sprayrails" will ich nun aber nicht an die Rumpfseiten bauen. Was tun? Ich dachte an eine leicht geänderte Unterseite mit scharfen, rechtwinkligen Abrisskanten statt der ca. 45°-Winkel zwischen Rumpfboden und Seitenwänden. Die könnten sogar aus Alu sein, da das Unterwasserschiff eh farbig wird. Und auf den (fast flachen) Rumpfboden evtl. noch 4-5 zusätzlich aufgeleimte, parallel liegende Dreiecksleisten, die das Wasser unterm Boot halten. Auf dem Wasser sieht man das alles eh nicht - und besser ein gut laufendes Boot mit geringen Abweichungen im unsichtbaren Bereich als ein 100%-Scale-Standmodell für die Vitrine (ich hab eh keine). :mrgreen:

Danke für eure Anregungen. Das Ganze ist sicher kein kurzfristiges Projekt, aber ich habe mir vorgenommen, bis zur Erstfahrt alle paar Wochen fleissig weiter zu berichten. ;)

Grüsse, Jochen

burnie
15.07.2008, 22:14
:that:
Na das ist mal ein Projekt nach meinem Geschmack!
Hier ist auch ein schönes Modell davon, falls Du die Seite noch nicht kennst.

http://www.miniwerft.de/30.html

Jo_S
15.07.2008, 22:33
Danke dir, Matthias, die Seite kannte ich tatsächlich nicht! ;-)
Ein sehr schöner Nachbau, bei dem endlich mal das Unterwasserschiff zu stimmen scheint. Vorder- und Achtersteven sowie Cockpit sind auch hier ein bisschen "Freestyle" (schade insofern, als dass diese beiden Kurven an Bug und Heck m.E. zu der schrägen Ästhetik dieses Bootes beitragen). Die 15 Millionen Nägel sehen zwar irre toll aus, stimmen aber sicherlich nicht. Egal - da hat sich einer was getraut und ein tolles Modell auf die Beine gestellt. Und mit dem Mega-Motor geht das Modell bestimmt wie Schmidt's Katze.
Aber all diese verschiedenen Varianten zeigen einfach: es gibt verdammt wenig Infos über dieses Boot!
Werde mich mal auf dem amerikanischen Büchermarkt umschauen, ob da weitere Infos übers Original zu finden sind...

Zatzi
16.07.2008, 11:07
Hallo Jochen!
Erst mal Gratulation zu der Entscheidung.
Ich kenne diese Boote zumeist unter der Bezeichnung "Bootlegger" - einfach nur wunderschöne Rennboote. Ich habe dazu einen Plan des Baby Bootlegger G5. Ich glaube damit wurden 1924 sogar Rennen gefahren.


Ein paar Tipps zu Deinen oben angeführten Punkten.
Ich würde die erste Beplankung maximal 2mm dick machen - eher noch geringer, vielleicht sogar nur 1mm. Bei der Größe des Rumpfes, dem geringen Spantabstand und der Tatsache, dass anschließend noch eine Haut drüber kommt, reicht die Stabilität vollkommen aus. Dazu lassen sich dünne Planken wesentlich besser bei den Rundungen verarbeiten.
Die Welle solltest Du bei dem Winkel von 10° belassen. Erstens wegen der Vorbildtreue und zum zweiten drückt sich der Bug dadurch eher noch nach unten, bei entsprechender Geschwindigkeit und Anordnung des Schwerpunktes.
Wellen bekommst Du unter anderem bei Raboesch.
Und zu Deinem fünften Punkt würde ich den Rumpf so originalgetreu bauen, wie Deine Unterlagen es vorgeben - wäre sonst wirklich schade drum. Die Fahreigenschaften kannst Du später z.B. durch Verschiebung des Schwerpunktes und der Propwahl entsprechend beeinflussen.
Sonnige Grüße

Jens

Jo_S
16.07.2008, 18:34
Hallo Jens,
danke für die Ermutigung... bin selber gespannt, worauf ich mich da wohl eigelassen habe. ;-)
Die "Baby Bootlegger" stand bei mir ebenfalls auf der Auswahlliste der favorisierten Typen. Ihr grosser Vorteil: es sind wesentlich mehr Infos darüber verfügbar als über das Crandall-Hydroplane. Wirst du sie bauen??

Zu 1: ich denke auch, dass das Thema "Stabilität" hier keine Rolle spielen wird (15 Zwischenspanten auf 780mm). Auf die Stärke der unteren Beplankung kam ich durch die Überlegung, dass bei diesen sphärischen Formen sehr viel Schleifarbeit anstehen wird, wobei sicherlich wieder mindestens 0,5mm abgetragen werden.

Zu 2: gut, das entspricht genau meinen theoretischen Überlegungen.

Zu 3: hat jemand Erfahrung mit den starren Wellen / sonstigen Teilen von Gundert?

Zu 4: ein echter Knackpunkt!! Prinzipiell stimme ich dir voll zu - jede Veränderung , ob sichtbar oder unsichtbar, verursacht mir erst mal psychosomatische Störungen in der Bauchgegend. ;-)
Allerdings hat der Modell-Link, den Mattias hier gepostet hat, meine Befürchtungen bzgl. der zu erwartenden Fahreigenschaften exakt bestätigt (http://www.miniwerft.de/30.html -> siehe ganz unten den Punkt "Erste Fahrversuche"). Wenig Auftrieb hinten und - bedingt durch die Form des Unterwasserschiffs und fehlende Abweiser - viel Rasensprenger auf Deck. Habe dazu direkt mal Kontakt mit dem Erbauer dieses schönen Modells aufgenommen. Da wird also noch einiges zu diskutieren sein... Sprayrails an der (sichtbaren) Seite kommen nicht in Frage, kleine unauffällige "Zusatzkanten" im unsichtbaren Bodenbereich könnten evtl. bereits für deutliche Verbesserung sorgen. Es ist die ewig gleiche Frage: 100% scale (geht das bei diesem Boot überhaupt?) und besch***eidenes Fahren oder 99% scale und Fahrspass?

Apropos Schwerpunkt: wo sollte der bei so einem Modell eigentlich liegen????
So ganz knapp hinter der Stufe? Wo liegt er bei dem Plan der "Baby Bootlegger"?

Grüsse aus dem verwässerten Oberberg,
Jochen

burnie
16.07.2008, 20:06
Wir sind gerade dabei die Bootlegger aufzubauen, hier wird der Schwerpunkt im hinteren drittel liegen, an der Stufe.
Die starren Wellen von Gundert kannst Du problemlos nehmen, ich werde allerdings bei der Legger wieder auf den Selbstbau zurückgreifen, denn günstiger bekommt man die nicht, zudem hat man bei der Legger auch eine freilaufende Welle.

Zatzi
16.07.2008, 21:16
Hallo Jochen!
Bauen werde ich das Boot nicht. Ich hab' aktuell genug zu tun.

Der Schwerpunkt ist bei meiner Zeichnung nicht angegeben. Aber burnie hat ja schon was dazu geschrieben.

Ansonsten zur Beplankung nur noch so viel:
Wenn Dein Spantengerüst relativ genau ist und die Leisten möglichst schmal und über die gesamte Länge gehen, sollte nicht viel an Schleifarbeit anfallen. Dann wäre höchstens noch die Möglichkeit statt direkt über die Planken zu schleifen, mit Spachtel den Rumpf in Form bringen und anschließend das dünne Furnier drauf.
Allerdings kann ich nicht sagen, ob das so geht. Die Erfahrung mit Furnier auf Spachtel habe ich noch nicht gemacht.


Jens

Jo_S
16.07.2008, 21:27
Schwerpunkt an bzw. kurz hinter der Stufe klingt logisch und war zu befürchten. Denn der ganze schwere Kram liegt bei der Flyer vor der Stufe. Der Motorraum, bequem durch Klappen von oben zugänglich, liegt zwischen Spant 4 und 8/9 auf der obersten Zeichnung. Logischerweise kommen da dann auch die ganzen RC-Einbauten rein, zumal direkt dahinter das Cockpit beginnt und man hinterm Cockpit an nichts mehr drankommt.

Nochmal Beplankung: ich hoffe doch mal, dass das Spantengerüst genau ist - es stammt schliesslich aus der Feder von Bruce Crandall. ;-)
Leisten über die gesamte Länge ist bei 780mm zumindest für die untere Beplankungsschicht gewährleistet. Aufspachteln möchte ich wenn möglich nicht (Gewicht). Bleibt also nur noch die Frage: Balsa oder Abachi? Gefühlsmässig tendiere ich zu Abachi, habe aber noch nicht ausprobiert, wie gut sich das über Dampf biegen lässt.

Noch ein Tipp für alle Vintage-Hydroplane-Fans: auf der Seite http://www.vintageraceboatshop.com/APBAVintagePotos.htm
finden sich Links zu Dutzenden von APBA-Rennveranstaltungen (American Power Boat Association). Jede verlinkte Veranstaltung in hunderten von Fotos dokumentiert.
Das ist Rock'n'Roll!!! ;-)

Jo_S
28.07.2008, 16:35
So, es geht weiter. :)

Nach Rücksprache mit Hanjo und Gernot Kreutzer wurde das Unterwasserschiff geändert. Gernot (der einzige mir bekannte Besitzer eines solchen Modells -> siehe http://www.miniwerft.de/30.html) bestätigte, dass sich die Flyer bei einem 1:1-Nachbau wie eine Badeente verhält. Rasensprenger-Effekt, starkes Wippen, Nase steil in die Luft. Na super.

Gernot hat diesen Effekt durch zusätzliches Anbringen von Dreiecksleisten an den Rumpfaussenkanten (Übergang Rumpfboden / Seitenwand) in den Griff bekommen. Dadurch erhielten die Laufflächen klar definierte Abrisskanten. Der Erfolg bestätigt sich in seinen Videos: http://www.miniwerft.de/3.html

Ich habe daraufhin das Unterwasserschiff modifiziert. Der "Grundriss" der originalen Laufflächen bleibt dabei (vorerst) absolut original, im Spantenquerschnitt ergeben sich aber einige Änderungen, die beim Modell jedoch auch in der Seitenansicht nicht auffallen:



Die V-Form wurde von 1° auf 3° erhöht.
Die "Dreiecksleisten", die Gernot außen angebracht hat, wurden bereits in den Spantenquerschnitt integriert. Dadurch entstehen im Querschnitt 2 rechtwinklige Stufen:
a) die untere Stufe (die nur an der hinteren Lauffläche existiert) lässt das Wasser an der Kante sauber abreissen und soll im extrem schmalen Hinterschiff mehr Auftrieb erzeugen
b) die obere Stufe (unter der Seitenwand) soll den Rasensprenger-Effekt minimieren und das Wasser zur Seite abweisen.

Zum besseren Vergleich ist in den beiden folgenden Spantenrissen LINKS jeweils der modifizierte Spantenriss gezeichnet und RECHTS der originale (allerdings bereits mit 3° V-Form versehen - das Original war praktisch brettflach):

Spanten 1-6

http://www.jochen-schwarzer.net/pics/rc/flyer1936/spanten1.gif

Spanten 7 - 15:

http://www.jochen-schwarzer.net/pics/rc/flyer1936/spanten7.gif

Die Stufe zwischen Spant 8 und 9 (6.9mm hoch) blieb erst einmal erhalten, um nicht ein komplett anderes Boot zu bauen. Hanjo hatte noch die (gute) Idee, die hintere Lauffläche mit einer ca. 50mm breiten Laufschiene zu versehen, die die vordere Lauffläche also in gleicher Höhe (ohne Versprung) fortsetzt. Da das Boot damit dann allerdings optisch doch ziemlich stark verändert wird, wäre mir lieber, nach Möglichkeit mit den obenstehenden Maßnahmen weiter zu kommen. Oder evtl. noch ein paar unauffällige Stringer unter die hintere Lauffläche zu kleben.

Was meint ihr dazu? Ist das der richtige Weg zu "mehr Auftrieb hinten / weniger Wippen / weniger Rasensprenger"?
Kritische Anmerkungen / Anregungen / Änderungsvorschläge werden herzlich gern entgegen genommen! ;)

Gruss, Jochen

Hanjo
28.07.2008, 19:42
Hallo,
wichtig gegen den Rasensprengereffekt ist nur die KIM-Leiste. Also die, die direkt an der Kante sitzt.

Ansonsten ist es halt mit Stringern (wenn es nicht gerade ein Ultra-High-Speed Setup ist), daß die meist nützen und so gut wie nie schaden
(es sei denn man macht sie quer zur Fahrrichtung:cluebat::mrgreen::lol::p:bäh:)

Also da brauchst Du noch nicht einmal in die Glaskugel zu schauen, keinen goldenen Schnitt beachten oder sonst was. Natürlich kann man auch aus der Fläche welche man zum kleben nutzt eine Philosophie machen
(es ergeben sie ja unterschiedliche Winkel), aber an der grundsätzlichen Situation, daß sie die Laufflächen quasi in verschiedene Bereiche aufteilen und damit für unterschiedliche Geschwindigkeiten definiert genauso wenig wie an der Tatsache, daß der Rumpf mehr Führung bekommt und Rumpf nicht undefindiert am Hintern Auftrieb verliert.
Also lohnt sich auf alle Fälle es zu probieren.
Beste Grüße Hanjo

Jo_S
29.07.2008, 14:34
Gut, so soll's gemacht werden! An dieser Stelle mal einen herzlichen Dank an alle, die mich mit Tipps, Vor- und Ratschlägen, Links und sonstigen Hinweisen weiter geholfen haben. Ein ungemein beruhigendes Gefühl, nicht von Anfang an völlig ins Blaue zu bauen.

Noch eine Frage zu den Stringern, bei denen ich wohl auf die 5x5mm PS-Dreiecksleisten von Evergreen zurückgreifen werde (das Unterschiff ist ja lackiert, da zerstört PS nicht die Echtholzoptik):

unklar ist mir noch, wo man die Dinger am sinnvollsten anbringt. Die Laufflächen (in der zweiten Grafik von oben GELB eingezeichnet) haben ja so eine seltsame Schuhsohlenform, die nach hinten stark zusammen läuft. Eine Dreiecksleiste, die genau an der Außenkante der Lauffläche angebracht würde, wird also so eine Art "Düseneffekt" bewirken.
Da ich der Lauffläche ja bereits eine 5mm hohe, rechteckige Abrisskante verpasst habe (siehe Spantenquerschnitte): wäre es gefühlsmässig nicht ratsamer, die Stringer auf der hinteren Lauffläche ganz schnurgerade und exakt parallel zueinander zu verlegen - also NICHT bis zum geschwungenen Rand?
Und auf der vorderen Lauffläche keine? (Oder ebenfalls parallelle, die nicht bis zum Rand gehen?)

Zur Motorisierung: es gibt keinerlei Angaben darüber, wie schnell das Original mit seinem 2,2-Liter-Motor war. Aus dem Bauch raus würde ich sagen, dass sich im 1:6-Modell ab ca. 25 km/h aufwärts ein schönes Fahrbild ergibt. Ich denke, mehr muss auch nicht sein. Um den Stromverbrauch zugunsten Fahrzeit in Grenzen zu halten, ist ein 700er Speed Neodym mit 39er K-Prop an 10 Zellen bzw. 3S-LiPos angedacht, Kapazität ab 3600 mAh aufwärts. Der Prop ist natürlich voll getaucht. Das Gewicht wird sich schätzungsweise irgendwo bei 2,5 kg einpendeln.

Ist das Ganze ein sinnvoller Motorisierungsplan, wenn 25km/h bei längeren Fahrzeiten angepeilt sind?

Gruss, Jochen

Hanjo
29.07.2008, 16:22
Hallo,
5 x 5 ist schon üppig, Du kannst auch eine Nummer kleiner gehen, wenn es Deiner Optik entgegenkommt.
Solange die Stringer bei Gleitfahrt nicht im Wasser sind, ist es egal wie die Kimmlinie läuft. Die Kimmstringer haben halt nicht vordergründig in erster Linie fahrdynamische Absichten, sondern sie sollen das Wasser wieder unter den Rumpf weisen. Und das, was das bei Runaboats meist die Bordwände hochsappscht beginnt im Bugbereich.
Das mit der Geschwindigkeitsabstimmung / Motor paßt.
Wenn Du unsicher bist, rufe doch mal Gernot (miniwerft)
an. Ist ein netter Kerl.
Beste grüße Hanjo
Beste Grüße Hanjo

Jo_S
29.07.2008, 17:17
Hallo Hanjo,
ich war in Bezug auf die Kimmleisten bei einem etwas anderen Gedanken. Wenn du dir oben auf der zweiten Grafik in der "Rumpfuntersicht" noch mal den Verlauf der gelben Linie anschaust (das ist ja die Außenkontur der beiden Laufflächen) und dir vorstellst, dass jetzt genau auf dieser Linie zwei Dreiecksleisten untergeklebt sind... da ergibt sich ja eine sehr starke Verjüngung zum Heck hin (besonders bei der hinteren Lauffläche). Die Leisten laufen also nach hinten v-förmig zusammen, da der Rumpf am Heckspant ja viel schmaler ist als an der Stufe. Da diese Leisten auch bei Gleitfahrt voll im Wasser wären, müsste das Wasser also (durch die Verengung) sozusagen "komprimiert" oder "beschleunigt" werden. Da es sich aber nicht in diesem Maße komprimieren lässt, müsste - aus dem Bauch raus - ein sehr starker Auftrieb am Heck entstehen - was ja erstmal nicht schlecht ist.
Die Frage ist nur: ist das nicht ein bisschen viel des Guten? Baue ich mir mit dieser "Düse" eine Verengung ein, die womöglich eher bremst als liftet?
An der vorderen Lauffläche kann ich mir eine solche Leiste auf der gelben Linie ja noch vorstellen, weil sich diese Fläche nach hinten hin nicht sooo stark verjüngt wie die hintere Lauffläche. Aber hinten habe ich an der Stufe (Spant 8/9) ja fast dreimal so viel Laufflächenbreite wie am Ende (Spant 15). Ob das wohl gutgeht?

Gruss, Jochen

Hanjo
29.07.2008, 18:37
Hmm,
also fällt mir etwas schwer mir den Rumpf vorzustellen.
Aber von der Bugspitze bis zur Stufe ist er doch auf jeden Fall mit einem V versehen? Dann wäre dort dann auch den Kimmstringer nicht durchs Wasser ziehen?

Und die Lauffläche nach der Stufe kann ich aus der Zeichnung nicht recht beurteilen. Normalerweise soll das
Boot ja von der Stufenkante bis ca 3 cm vor dem Spiegel trocken laufen. Wenn die Lauffläche da kein V hat, bin ich mir nicht sicher, ob ich sie gerne in voller Breite durchs Wasser ziehen möchte. Eigentlich kann der Rumpf sich dann nur festsaugen. Nimm mal ein Blatt Papier und halte es mit Daumen und Zeigefinger ein paar cm über dem Tisch. Wenn Du jetzt kräftig darunter bläst beginnt das Blatt nicht zu schweben, sondern saugt sich stärker fest (ich meine nicht die 2 mm Spalt auf die sich das Blatt eintrimmt, sondern wenn Du das Blatt nun hochnimmst schwebt es sofort). Eine Stufe die keinen Auftrieb bringt, bringt Abtrieb.

Wenn ich Gernots Rumpf anschaue hat der überall ein V.
Deswegen wird auch ein Kimmstringer bei Gleitfahrt nicht durchs Wasser laufen.

Aber ich sage das alles ohne die geringste praktische Kenntnis von solch einem Rumpf. Vielleicht ist es ja Nonsens.
Beste Grüße Hanjo

Jo_S
30.07.2008, 14:39
Hallo Hanjo,

danke dir für deine Ausführungen. Stimmt, das Unterwasserschiff ist nicht ganz ohne, da musste ich mich auch erst mal lange reindenken. Nebenbei: Gernot fragte mich schon, ob ich mir "dieses Sch***-Modell wirklich antun" wollte. ;-) Aber letztlich hat er seins ja auch ans Rennen gekriegt.

Genau diese "Abtriebsgeschichte" hinter der Stufe ist mir ebenfalls durch den Kopf gegangen. Mit Aerodynamik kenne ich mich einfach wesentlich besser aus als mit Schiffsrümpfen und "Hydro"-Thematiken. Daher versuche ich immer, das Aerodynamikwissen behelfsweise auf Boote zu übertragen... was halt teilweise recht fragwürdig ist.

Ich seh's ein: bei solchen Exoten nützt das Theoretisieren irgendwann nichts mehr, da bleibt dann wohl nur noch "try + error".
Und vorher werde ich Gernots Schiff mal ganz genau unter die Lupe nehmen. Mit Rascal und Konsorten habe ich ja solange noch genug zu tun. ;)

Gruss, Jochen

quaxi
22.12.2008, 15:41
Hallo Jochen,

wie weit ist Dein Flyer Projekt,

ich hatte mir für dieses Runabout auch mal Pläne gekauft,
schlummern aber noch.

Gruß Wolfgang

Jo_S
30.12.2008, 14:40
Hallo Wolfgang,

der "Flyer" ist - wegen weiterhin ungelöster Probleme - in der Prioritätenliste auf Platz 3 gerutscht, aber noch lange nicht aufgegeben. ;)
Da der Rumpf nicht unkompliziert ist, muss ich vor Baubeginn eine Lösung finden, wie ich genug Wasser / Luft hinter die Stufe, also unter das Heckschiff bekomme. Momentan bin ich aber mit Scalenachbauten der "Banshee Z10" (siehe Avatar) und der "Arno XI Ferrari" voll ausgelastet. Während dessen zeiche ich weiter am "Flyer" und einem 1:7-"Drachen" und habe als Schnellschuss zwischendurch noch ein (gnadenlos überpowertes) Mini-Sumpfboot gebaut.

Zu den käuflichen Plänen: m.W. gibt es zwei Stück, den VTH-Plan "Gremlin" und einen (offenbar ziemlich exakten) CAD-Plan von classicwoodenboatplans.com (http://www.classicwoodenboatplans.com). Vom VTH-Plan würde ich dir dringend abraten. Grund: hier taucht genau das Problem des maßstäblich verkleinerten Unterwasserschiffs auf, bei dem das Wasser nicht unter der hinteren Lauffläche gehalten werden kann und das Vorderschiff vergleichsweise viel zu viel Auftrieb produziert. Das VTH-Modell hat ein Fahrbild wie der viel zitierte Gardena-Rasensprenger, kommt sehr schnell ins Wippen, versinkt mit dem Hintern tief im Wasser und streckt die Nase steil Richtung Sonne. Vorbildgerechte Modellgeschwindigkeiten sind damit nicht denkbar. Der VTH-Plan ist also nur für ein (schönes) Standmodell zu gebrauchen. Für ein Fahrmodell muss er modifiziert werden.

Den zweiten Plan kenne ich nicht (bzw. nur so weit, wie er auf der Website vorgestellt wird). Da er aber laut Aussage des Herstellers eine exakte Verkleinerung des Originals ist, werden hier mit Sicherheit die selben Probleme auftauchen. So gerne ich exakt "original" baue: ich denke, bei diesem Projekt kommt man um umfangreiche Änderungen des Unterwasserschiffs nicht herum (grössere V-Form, Wasserabweiser mit klar definierten Abrisskanten zwischen Laufflächen und Seitenwänden, Stringer unter den Laufflächen, Luftansaugkanäle in der Stufe, etc.). In Verbindung mit dem "supersteilen" Wellenwinkel frage ich mich mittlerweile, wie das Originalboot überhaupt jemals laufen konnte. ;) Wasser verhält sich an verkleinerten Rümpfen halt deutlich zäher und ungnädiger.

Viele Grüsse,
Jochen

quaxi
30.12.2008, 19:11
Hallo Jochen,

den einen Plan aus Australien habe ich hier als pdf.

Aus einem Amerikanischen Forum habe ich einen 3D-CAD Zeichnung bekommen, dort hat ein Kollege mir die Spanten extrahiert.
Vielleicht solltest Du Diesen auch mal anschauen.

Aber ich nehme an das dort die gleichen Probleme vorhanden sind.

Kuppi1153
02.01.2009, 17:40
Hallo aus Berlin.

nach meinem Kenntnisstand ist das Boot von Gernot Kreutzer (miniwerft.de) von meinem Hamburger Modellbaufreund Horst **** erbaut worden und zwar nach dem Plan aus dem VTH-Verlag (Copyright Horst ****).

Gruß und einen schönen Restnachmittag

Micha

Jo_S
04.01.2009, 03:03
Hallo Micha,
das Boot von Gernot ist tatsächlich nach dem VTH-Plan entstanden - mit allen berichteten Mängeln. Erbauer ist (nach eigener Aussage) Gernot.
Gruss, Jochen