Archiv verlassen und diese Seite im Standarddesign anzeigen : Rosenmetall
Robert Nechi
20.01.2007, 02:35
Kennt jemand aus der Runde den Begriff bzw. Werkstoff Rosenmetall.
Ich hab das vor vielen Jahren bei einem Modellbauer in Erfurt kennen gelernt. Der hat damit die tollsten Dinge gemacht.
Gruß Robert
Seebär Harry
20.01.2007, 04:07
Moin Moin,
kanst du evt. mal beschreiben, was für Sachen das wahren, evt. gibt es je nach Region unterschiedliche Begriffe dafür.
Ich hab von Rosenmetall noch nichts gehöhrt.
Ich komme aus der Region, habe einem Metallberuf gelernt und von "Rosenmetall" als Werkstoff noch nie etwas gehört. :dontknow:
habe einem Metallberuf gelernt und von "Rosenmetall" als Werkstoff noch nie etwas gehört. :dontknow:Ebenso. :dontknow:
Seebär Harry
20.01.2007, 12:51
Ich vermute mal, das es eine Bezeichnung ist, die auf einen kleinen Raum beschrängt ist.
Oft gibt es Bezeichnungen für eine Sache, die in der nächsten Stadt schon keiner mehr kennt.
Mal sehen, was Robert uns da noch für Anhaltspunkte liefern kann.
Jetzt ist die Neugierde ja doch geweckt.
Design-HSB
20.01.2007, 14:03
Ich habe zwar auch keine Ahnung was Rosenmetall wirklich ist, mir ist aber bekannt, das man z.B. Gürtelschnallen und billigen Schmck daraus macht. Rosenmetall wurde früher auch für anderen Zierrat verwendet.
Hansen-Bengel
20.01.2007, 15:22
Google spuckt auch nur Gürtelschnallen aus, bis auf eine Ausnahme, einen Text aus dem Mittelalter, wo Rosenmetall in Art und Farbe mit Kupfer verglichen wird...
Robert Nechi
20.01.2007, 16:30
Ich habe das Thema angeschnitten, da immer wieder aus der Rund gefragt wird, wie komplizierte Teile hergestellt werden könnten.
Der Modellbauer in Erfurt war wohl in diesen Kreisen eine große Nummer und mehrfacher Meister der DDR. Er baute Kriegsschiffe im Maßstab 1:100. Die Teile mussten daher genau nach Vorbild hergestellt werden. Z. B. Anker etc. In der DDR war es natürlich auch nicht leicht aus dem Handel etwas u bekommen.
Auf jeden Fall ist "Rosenmetall" ein Metall-Legierung, die bereits bei niedrigen Temperaturen ( ca. 85 - 90 Grad) schmilzt. Ich könnte mir vorstellen, dass dies das gleiche oder ähnliches Zeug ist, wie es auch zu Sylvester zum Bleigießen verwendet wird.
Auf jeden Fall ist der wie folgt vorgegangen. Typisches Beispiel ein originalgetreuer Lüfter:
1. Herstellung eines Modells im Maßstab 1:1
2. Gipsabdruck oder Gipsform davon machen
3. ausgießen mit "Rosenmetall"
4. dieser Rohling wird galvanisch mit einer Kupferschicht überzogen (dabei die gewünschte Dicke der Kupferschicht erreicht)
5. das Rosenmetall aus der Kupferschicht durch Erwärmung ausfließen lassen. Daher der niedrige Schmelzpunkt.
Übrig bleibt ein einwandfreier, detailreicher und maßstabgerecht dünner Teil.
Der hat damit jedenfalls die tollsten Teile hergestellt. Mir ist das gestern wieder eingefallen, nachdem gefragt wurde, wie ein Metallrumpf hergestellt werden könnte.
Vielleicht habt Ihr auch noch andere Ideen zu dieser Methode.
Grüße an alle
Robert
Hallo,
nach der Beschreibung von Robert sieht mir das verdächtig nach einer der sehr früh schmelzenden Metalllegierungen aus, z.B. Wood-Metall (s. auch hier http://de.wikipedia.org/wiki/Woodsches_Metall). Die angesprochene Legierung schmilzt bereits bei ca. 70 Grad Celsius. Sie enthält Bismut, Cadmium, Blei und Zinn; wenn das Cadmium entfällt heißt die Legierung "Roses Metall" und schmilzt bei 98 °C. Daher dürfte dann auch der Begriff "Rosenmetall" durch unkorrekten Gebrauch entstanden sein.
Soweit mir bekannt ist, kann man diese niedrig schmelzenden Legierungen auch zur Fixierung von Werkstücken benutzen, um Bearbeitungsschritte an unregelmäßig geformten Teilen auszuführen, die man anders nicht gespannt bekommt (einfach in eine größere Halterung legen und mit der Legierung eingießen). Wenn man die Späne/Reste sammelt, läßt sich die Legierung wieder in heißem Wasser aufschmelzen und erneut verwenden.
Und noch etwas gefunden: http://www.haines-maassen.com/deutsch/wismut.html
...Sie enthält Bismut, Cadmium, Blei und Zinn...
ähh...lebt der Modellbauer aus Erfurt noch?
Seebär Harry
20.01.2007, 23:38
@JL,
prima, jetzt weiß ich auch, wie ich Röhrchen biegen kann, ohne sie zu knicken.
Man lernt halt nie aus.
Ümminger Kapitän
21.01.2007, 01:30
@JL,
prima, jetzt weiß ich auch, wie ich Röhrchen biegen kann, ohne sie zu knicken.
Das schoß mir auch sofort durch den Schädel, nur nicht, wo ich das Zeug bekommen kann.
Robert Nechi
21.01.2007, 01:45
Info für Deede
leider weiß ich nicht ob dieser Modellbauer aus Erfurt noch lebt. Zumindest müßte er heute gut in den 70er Jahren sein.
Leider weiß ich auch den Namen des Mannes nicht mehr. Ich hab ihn damals in den 80er-Jahren durch einen gemeinsamen Bekannten kennen gelernt und er zeigte mir einiges in seiner Werkstätte. Damals hatte er das Schlachtschiff Missouri und den Panzerkreuzer Potemkin in Arbeit- Ich weiß nur noch, daß er damals in der DDR einen eigenen Galvanikbetrieb in Erfurt hatte (daher auch diese Herstellungsmethode).
Aber vielleicht wissen andere aus der Runde, insbesondere aus der ehemaligen DDR etwas über ihn. Immerhin war er auch mehrfacher Meister der DDR.
Gruß Robert
@JL,
prima, jetzt weiß ich auch, wie ich Röhrchen biegen kann, ohne sie zu knicken.
Man lernt halt nie aus.
Da bist du mit einer Biegerolle aber besser dran. Wie willst du ein Rohr mit einem Innendm. 1,4mm z.B., mit flüssigem Metall füllen ohne Hohlräume zu haben?
...nur nicht, wo ich das Zeug bekommen kann...
Hallo Ümmi,
versuch's mal bei dem zweiten Link, das ist eine Metall-Handelsgesellschaft in Bonn. Nach der Homepage sieht es so aus, als müßten die diese Legierungen verkaufen, weil sie soviel davon haben :wink:
Ümminger Kapitän
21.01.2007, 12:41
Ok, danke für die Zaunlatte. :)
Woodmetall................... :ohno: :ohno:
Mann, Robert, hättste das mit dem niedrigen Schmelzpunkt eher gesagt............ :pfeif:
Robert Nechi
22.01.2007, 20:03
Seebär Harry schreibt: "jetzt weiß ich wie ich dünne Röhrchen biegen kann".
Da ist mir was vieleicht praktisches eingefallen. Indium gibt es auch als dünne Drähte. Hier könnte man doch den Draht wunschgemäß biegen, verkupfern und anschließend den Indium-Draht mit einem Schmelzpunkt von rund 150 Grad mit der Lötlampe herausschmelzen. Oder denke ich hier falsch.
Gruß Robert
Hier könnte man doch den Draht wunschgemäß biegen, verkupfern und anschließend den Indium-Draht mit einem Schmelzpunkt von rund 150 Grad mit der Lötlampe herausschmelzen. Oder denke ich hier falsch.
Gruß Robert
Robert, war das jetzt ein Scherz? Wenn nicht: weißt du wie dick, besser dünn, das Kupfer ist, das stehen bleiben soll?
Scubamarco
22.01.2007, 21:02
Robert, war das jetzt ein Scherz? Wenn nicht: weißt du wie dick, besser dünn, das Kupfer ist, das stehen bleiben soll?
Folgendes steht hier im Thread:
Auf jeden Fall ist der wie folgt vorgegangen. Typisches Beispiel ein originalgetreuer Lüfter:
1. Herstellung eines Modells im Maßstab 1:1
2. Gipsabdruck oder Gipsform davon machen
3. ausgießen mit "Rosenmetall"
4. dieser Rohling wird galvanisch mit einer Kupferschicht überzogen (dabei die gewünschte Dicke der Kupferschicht erreicht)
5. das Rosenmetall aus der Kupferschicht durch Erwärmung ausfließen lassen. Daher der niedrige Schmelzpunkt.
Übrig bleibt ein einwandfreier, detailreicher und maßstabgerecht dünner Teil.
Robert Nechi
23.01.2007, 01:26
Nachdem ich diese Frage angeschnitten habe läßt es mir keine Ruhe mehr. Ich habe ein Forum ausfindig gemacht, in dem sich "Fachleute" hobbymäßig mit Galvanik beschäftigen. Die Adresse:
http://www.galvano-atelier.xail.net
Zu meiner Anfrage habe ich auszugsweise folgende Antwort bekommen:
quote
Zur dicke kann man sagen Xbeliebig wobei für deine zwecke 0,1 bis 0,2 millimeter ausreichend sind
Abscheidegeschwindigkeit beim sauren Kupferelektrolyten cirka 1um je minute
1um(mikrometer) sind 0,001 millimeter.
Zu dem was du benötigst äußere ich mich im Anschluss mal noch näher aber folgende generell
du benötigst 1 entfettung , 1 beize(dekapierung) und 1 alkalischen Kupferelektrolyt
3 identisch große gefäße 2 Kupfer platten 2 Edelstahlplatten (bekommst vom Schrotthändler sicher nen passendes Stückchen) 1 Netzteil am besten stufenlos regelbar.
Zum Elektrolyt gibt es nun zwei möglichkeiten entweder du fertigst ihn selbst an oder du kaufst dir fertigen bei Conrad-Elektronik.
unquote
Beste Grüße
Robert
Hallo Robert!
Nach Deiner Beschreibung zu dem Erfurter Modellbauer kann es sich nur um Helmut Schwarzer handeln. Ob er noch lebt, weiss ich auch nicht. Es gab in den letzten Jahren auch nichts mehr von ihm zu sehen.
Bei Hans-Jürgen Mottschall (http://www.schiffs-modell-bau.net) ist unter der Rubrik "Wettbewerbe" ein Schiff von ihm abgebildet.
Jens
OffTopic:Jens, kein schlechter Link :that:
1. Herstellung eines Modells im Maßstab 1:1
die Kupferschicht mußt du noch vom Kern abziehen, sonst wird das Teil zu groß.
Ich kann immer noch nicht so richtig verstehen, warum der Metallkern wieder raus muß :dontknow: Kann mir jemand ein Beispiel nennen?
Robert Nechi
23.01.2007, 23:57
Frage von Deede:
typisches Beispiel ist ein Lüfter. Hier wird ein maßstäblich dem Original entsprechend ein Teil geschaffen, das nicht im Sortiment der fertig zu kaufenden Teile enthalten ist. Dabei muß natürlich die Metallfüllung wieder raus. Die wird ja nur für das Galvanisieren benötigt.
Ich könnte mir auch Maste vorstellen, die dem Original entsprechen. In dem Hohlraum kann man dann eventuell notwendige Kabel verstecken. Ich denke aber, das alles ist Modellbau extrem.
Gruß Robert
Jetzt komm' ich auch etwas durcheinander.
Galvanisieren ist doch eine Oberflächenbehandlung?! Das heisst, es wird z.B. Chrom, Messing oder ähnliches als dünnes Schicht aufgebracht um das äußere Erscheinungsbild zu verändern und/oder zum Schutz. Und das sollte doch unabhängig davon sein, ob das Teil hohl oder Vollmaterial ist.
commodore
24.01.2007, 12:20
Galvanisieren ist das elektrochemische Aufbringen einer Schicht. Wenn danach das Material, auf das die Schicht aufgebracht wurde, wieder entfernt wird, bleibt nur die Schicht übrig.
Wird also eine 0,2 mm dicke Kupferschicht auf ein Positivmodell aus Rosenmetall aufgebracht und danach das Positivmodell geschmolzen, hat man ein Teil mit 0,2 mm Wandstärke.
Das ist schon klar, wurde ja auch bereits beschrieben.
Ich denke, das Beispiel mit dem Lüfter ist vielleicht nicht unbedingt passend. Der muss schon extrem klein sein, bei der Wandstärke. Ich nehme es zwar auch gern genau, aber bei der Größe den Lüfter hohl darzustellen ist schon beeindruckend. Vor allem, weil man es bei einigen Lüftern nicht sieht (z.B. Schwanenhalslüfter).
Ich könnte mir jedoch vorstellen, dass das anschließende Erhitzem sehr kleine Teile wiederum beschädigen kann.
commodore
24.01.2007, 14:58
Dann verstehe ich deine Frage nicht. :dontknow:
Es sei denn, sie wäre gemeinerweise rhetorisch. :wink:
Allerdings sind 0,2 mm in 1:50 schon 10 mm im Original - ist jedenfalls nicht zu dünn für'n Lüfter.
Lüfter ist okay, gibt es noch mehr Beispiele? Wegen einem Lüfter oder Signalhorn wird doch keiner zum Hobbygalvaniseur...
Menschen die das Modellbauen so ernst nehmen wie die unter "Wettbewerbe" (http://www.schiffs-modell-bau.net/) beschriebenen schon...
Wellen-Brecher
24.01.2007, 21:30
Moin genius
...das ist doch mal wieder 'ne tolle Seite :that: .
Entweder man hats drauf oder man hats drauf :yessir: .
Robert Nechi
24.01.2007, 21:50
Menschen die das Modellbauen so ernst nehmen wie die ..
Wenn ich so etwas sehe liege ich immer auf dem Rücken vor Begeisterung.
Gruß Robert
Hab auch lange geschaut auf der Seite. Der Link ist aber der den Jens (Zatzi) eine Seite vorher gepostet hatte ("Hans-Jürgen Mottschall"). Ich hab ihn nur noch mal aufgegriffen weil er so gut gepasst hat :engel:
genius
Wellen-Brecher
24.01.2007, 22:11
Wo ist mein Stock...das hab ich doch glatt übersehen 8) .
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